Dissens? Resistenz? Opposition? – Annäherung an Theodor Heuss im Deutschland des Nationalsozialismus

Beim gut besuchten Stammtisch des Zabergäuvereins im „Ochsen“ in Güglingen-Frauenzimmern sprach Susanne Blach, Leiterin des Theodor-Heuss-Museums in Brackenheim, zum Thema: „Dissens? Resistenz? Opposition? – Annäherung an Theodor Heuss im Deutschland des Nationalsozialismus“. Schon die 3 Fragezeichen bei der Thematik ließen erkennen, dass keine fertigen Antworten zu erwarten waren.

Theodor Heuss, der 1. Bundespräsident unserer Republik, hat 4 politische Systeme erlebt, davon 12 Jahre das NS-Regime. Als Reichstagsabgeordneter der Deutschen Staatspartei stimmte er dem Ermächtigungsgesetz zu. Damit wurden endgültig demokratische Kräfte ins Aus gedrängt. Heuss, der nie Parteigänger der Nationalsozialisten war, von dessen Büchern in der NS-Zeit zwei verbrannt wurden, hat versucht, aus der Defensive heraus verklausuliert Kritik zu äußern. Anfangs konnte er im Feuilleton der Frankfurter Zeitung Berichte unter seinem Namen unterbringen, dann musste er Kürzel wählen, u. a. „Thomas Brackheim“, schließlich bekam er Publikationsverbot. Die Bedrohung durch die Gestapo wuchs ständig. Als „unerwünschte Person“ schrieb er weniger verfängliche Biographien, um sich wenigstens finanziell über Wasser halten zu können. Treffen mit Julius Leber und Carl Goerdeler gab es 1943. Dass er nicht zur vordersten Linie der Widerständler gerechnet wurde, hat sein Überleben wohl ermöglicht. Seine demokratische Gesinnung befähigte ihn zum Politiker der 1. Stunde der Bundesrepublik Deutschland.(sz)

<< zurück