Theriak, ein Wunderheilmittel vergangener Zeit

Beim sehr gut besuchten Stammtisch des Zabergäuvereins im „Ochsen“ in Güglingen-Frauenzimmern stand eine 1997 gefundene vermeintliche Münze im Mittelpunkt des Interesses. Der 1. Vorsitzenden des Vereins und ehrenamtliche Mitarbeiter des Denkmalamtes, Uli Peter, hat diesen Fund, der in den Güglinger Steinäckern gemacht wurde, zur Bestimmung an den renommierten Numismatiker Dr. Ulrich Klein ins Landesmuseum nach Stuttgart weitergeleitet. Der Münzfachmann hat nun in einem spannenden PowerPoint-Vortrag mit dem Titel „Opium, Zimt, und Krottenfleisch - Theriak, ein Wundermittel auch im Zabergäu“ seine umfangreichen Recherchen über das ca. 2 cm große münzähnlich geprägte Plättchen den interessierten Stammtischbesuchern präsentiert.

Dargestellt ist auf der leicht zerkratzen Bleischeibe in der Mitte das Paradies mit umlaufender Schrift: „Theriak aus dem Paradies in Venedig“. Es gab in Venedig wohl schon im 16./17. Jahrhundert 40 verschiedene Apotheken, die das Heilmittel Theriak vertreiben durften. Eine davon war die Apotheke mit dem Paradies als Markenzeichen. Der „Goldene Kopf“, das Symbol einer andern Apotheke, ist oberhalb der Rialtobrücke noch heute zu sehen. Unter strenger staatlicher Aufsicht wurden in Venedig öffentlich 70 Zutaten für das besondere  Heilmittel präsentiert, dann in großen Mörsern vermischt und zerstampft. Die Abfüllung als Flüssigkeit in kleinere Fläschchen mit 2 cm großen Kapselverschlüssen (wie der Fund aus Güglingen) und als Paste in größere Tongefäße mit 4 cm großen Deckeln erfolgte in den verschiedenen Apotheken Venedigs. Diese prägten die Deckel mit ihren Symbolen wie Paradies, Vogel Strauß, Goldener Kopf und anderen. Ergänzt wurden die Symbole mit einer Beschriftung und häufig noch durch den Markuslöwen. Dieses wertvolle Medikament wurde in alle Welt verhandelt. Datieren kann man die Verbreitung der Arznei ungefähr vom Ende des 16. Jahrhunderts bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts, wobei die Entdeckung schon den Römern zugeschrieben wird.

Was sind nun die Inhaltsstoffe? Ursprünglich gehörten Teile der Giftschlange Viper dazu. Eine Schlange, die ein solch starkes Gift in sich trägt, ohne daran zu verenden, muss doch als wirksames Heilmittel von Nutzen sein, so dachte schon ein römischer Kaiser. Beigemischt wurden verschiedene Kräuter, andere Zutaten und vor allem Opium, so wurde das „Aspirin“ früherer Zeit bis hinein ins 19. Jahrhundert zum begehrten Heilmittel. Weil es sehr teuer war, hat man es in anderen Ländern häufig nachgemacht und ähnliche Flaschendeckel verwendet. „Produktpiraterie“ würde man heute dazu sagen. Die Vipern wurden bei uns und anderswo durch Blindschleichen oder andere Zutaten ersetzt, vielleicht auch durch „Krottenfleisch“ (Erdkröte). Mit dem Verbot von Opium verschwand das Wundermittel Theriak langsam vom Markt, denn das Mittel gegen Schmerzen war wohl eine sehr wirksame Beimischung.

So wurde ein kleiner Deckel einer Theriakflasche, der bei uns auf einem Acker gefunden wurde, Ausgangspunkt für eine spannende Forschung. Dass der Entdecker Uli Peter und der kompetente Fachmann Dr. Ulrich Klein beim Stammtisch des Zabergäuvereins darüber berichten konnten, hatte seinen ganz besonderen Reiz. (sz)      

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