Monatlicher Stammtisch des Zabergäuvereins, Juni 2011

Exkursion auf den Michaelsberg

Der Zabergäuverein hat diesmal seinen monatlichen Stammtisch auf den Michaelsberg, den „Zeugenberg“ des Zabergäus, gelegt. 25 naturkundlich Interessierte folgten dem NABU-Vorsitzenden Eberhard Binder aus Cleebronn, der mit seinem Thema: „Biotope am Michaelsberg - neuzeitliche und historische Weinbaulandschaft. Auf den Spuren von Dr. Otto Linck“ hohe Erwartungen weckte, die voll erfüllt wurden.

Gedanklich gab es zunächst einen kleinen Ausflug in die Geologie. Der Aufbau mit wechselnden Schichten von Schilf- und Stubensandstein und darüber liegenden Bunten Mergeln lässt mageren „ausgemergelten“ Boden zurück, in dem das Wasser rasch versickert.

Steppenheidepflanzen jedoch finden dort ihren Lebensraum. Mit schmalen Blättern, behaarten Blättern wie beim Natternkopf und tiefen Pfahlwurzeln passen sich die Pflanzen der Trockenheit an. Dank der Stiftung der Volksbank Brackenheim-Güglingen konnte der NABU zwei große Tafeln anbringen, auf denen die Reichhaltigkeit und Vielfalt der Steppenheidepflanzen dargestellt wird, die es zu entdecken gibt. 

Dass für den Anbau von Reben der Boden besonders geeignet ist, wurde schon sehr früh erkannt. Die erste urkundliche Erwähnung von „Weinbergen“ stammt aus dem Jahr 793. Otto Linck hat sich zunächst energisch gegen das Ende der „Historischen Weinberglandschaft“ auf dem Michaelsberg gewehrt, musste aber schließlich die wirtschaftlichen Bedingungen unserer Zeit respektieren. Doch hat er als Naturschutzbeauftragter erreicht, dass auf dem Kopf des Berges viele Pflanzen der Steppenheide angesiedelt wurden. Weiter legte man einen 3 Ar großen Weinberg an, den heute der NABU in der Art bearbeitet, wie dies Hunderte von Jahren bei uns üblich war. 3 „Schenkel“ werden gezogen, Pfähle stützen sie, kein Kunstdünger wird eingebracht, mit Weiden und Stroh werden die Bögen und Ruten angebunden. Die Trauben werden am Ende sehr trocken nach einer Maischegärung ausgebaut. Diesen NABU-Wein durften zum Schluss die beeindruckten Teilnehmer der Exkursion kosten.

Kurt Sartorius würzte die lebendige Naturkunde mit „sagenhaften“ Geschichten. Danach führten von vielen umliegenden Orten unterirdische Gänge zum Michaelsberg. So spielte er im Volksglauben als Kultberg wohl schon sehr früh eine besondere Rolle. (sz

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