Sühnekreuz der Spinnerin von Haberschlacht aufgestellt

Der Einladung des Zabergäuvereins zur Enthüllung des Sühnekreuzes der Spinnerin von Haberschlacht folgten erfreulicherweise über 80 Mitglieder und Freunde. Unter den Gästen  konnte der 1.Vorsitzende Uli Peter den Ehrenvorsitzenden Dr. Tilman von der Kall, Bürgermeister Rolf Kieser aus Brackenheim, den Vertreter der Volksbank Brackenheim –Güglingen, Herrn Hack, das Pfarrerehepaar Waiß aus Haberschlacht und die rührigen Heimatforscher Günter Walter und Günter Keller begrüßen. Vor allem der  Initiative der beiden Heimatkundler ist das wiedergeschaffene Steinkreuz und dessen Aufstellung zu verdanken. „Wohl der Stadt und wohl dem Ort, der einen Zabergäuverein hat“, brachte Bürgermeister Kieser in seinem Grußwort seinen Dank an den Zabergäuverein auf den Punkt.

Das Kreuz mit den eingemeißelten Symbolen Spinnrocken und Spule wurde schon vor über 500 Jahren auf Haberschlachter Markung Richtung Stetten aufgestellt. Es wird erzählt, dass dort eine junge Spinnerin erschlagen wurde. Schriftliche Zeugnisse fehlen. Über die Täter, möglicherweise junge Burschen, vielleicht ein verschmähter Liebhaber, gibt es nur mündlich überlieferte Andeutungen. Das Kreuz hat im Laufe der Jahrhunderte sehr gelitten und ist schließlich bei der Flurbereinigung zerbrochen. Vor allem die genannten Heimatforscher Walter und Keller haben die Kulturgutrettung mit Unterstützung des Zabergäuvereins auf ihre Fahnen geschrieben. Dass jetzt die Volksbankstiftung der Volksbank Brackenheim- Güglingen mit einer namhaften Summe die Neugestaltung des verwitterten Steinkreuzes möglich machte, war Grund zur Freude. Dafür bedankte sich der 1.Vorsitzende beim Vertreter der Bank und bei Bürgermeister Kieser, der seine Bauhofleute mobilisierte, um den Platz zu richten und das Fundament herzustellen. Der anwesende Steinbildhauer Wütherich hat mit seiner Begabung das Sühnekreuz nach altem Vorbild neu aus dem Stein gehauen und die Symbole eingemeißelt. Pfarrer Waiß verwies in seiner Ansprache darauf, dass mit einem Kreuz – heute stehen gelegentlich Holz- oder Plastikkreuze an Straßen - ein Ort der Trauer gefunden wird, wo sich Menschen in die Hand Gottes geben, damit ihre Tränen abgetrocknet werden. Das originale Sühnekreuz wird wohl, wenn die finanziellen Mittel da sind, restauriert und in der Haberschlachter Kirche an einem geschützten Platz aufgestellt.

Nach der Enthüllung des neuen Sühnekreuzes begaben sich die Besucher zum Aussiedlerhof  Sommer, um dort von Günter Keller etwas über Sühne- und Gedenkkreuze zu erfahren. Gedenkkreuze sollen in der Regel mit einer Inschrift das Gedenken an einen Verstorbenen wach halten. Ein Sühnekreuz war in vergangener Zeit Teil einer Strafe für ein Verbrechen. Die Tätigkeit des Opfers oder die Tatwaffe erscheint eingemeißelt auf dem Sühnestein, so bei der Spinnerin der Rocken und die Spindel.

Damit die Tätigkeit einer Spinnerin anschaulich wurde, führte Ingrid Frank vor, wie man mit der Spindel Flachs, Hanf oder Wolle früher zu einem Faden gesponnen hat, ehe das Spinnrad um 1530 erfunden wurde. Noch heute gibt es vereinzelt Kulturkreise, die diese Technik des Spinnens mit der Handspindel beherrschen.

Mit dem Setzen des Sühnekreuzes und den begleitenden Erläuterungen hat der Zabergäuverein ein Stück lebendige Heimatkunde angeboten und auf die  Rettung wichtiger Kulturdenkmäler aufmerksam gemacht. (sz)

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