Monatlicher Stammtisch, April 2011, Frauenzimmern, Gasthaus Ochsen

Prof. Dr. Karl Rennstich

Dr. Herrmann Mögling – Querdenker und Missionar aus dem Zabergäu

Beim Stammtisch des Zabergäuvereins im „Ochsen“ in Güglingen-Frauenzimmern wurden die interessierten Zuhörer mit dem Leben eines berühmten Zabergäuers aus dem 19.Jahrhundert vertraut gemacht. Vor 200 Jahren wurde Herrmann Mögling in Güglingen geboren und wuchs bis zu seinem 8. Lebensjahr in Brackenheim als Sohn des dortigen Rektors der Lateinschule auf. Sein Weg führte ihn später im Auftrag der Basler Mission nach Indien. Über den spannenden Lebensweg referierte eindrucksvoll der gebürtige Zabergäuer, Professor Dr. Karl Rennstich, der vor seinem Ruhestand selbst Missionar und bedeutender Repräsentant der Basler Mission war.

Der begabte Herrmann Möglingen bekannte, dass er als Theologiestudent in Tübingen mehr „künstlerischen, schöngeistigen Gelüsten gefolgt sei“ und „ein leichtsinniges Leben“ geführt habe. Durch eine „Verführung zum Glauben“, so Mögling,  erfolgte 1835 eine Lebenswende. Er ging zur Basler Mission und bereits im Herbst 1836 wurde er mit anderen Missionaren nach Indien geschickt. Die Verkündigung der christlichen Botschaft verknüpfte der Missionar bald mit der Anleitung zu handwerklicher und industrieller Tätigkeit – Entwicklungshilfe im 19. Jahrhundert. Zum Katechetischen Seminar kam die erste Gewerbeschule der Basler Mission und wurde zur Keimzelle der „Industriemission“. Zudem betrieb Mögling in Mangalar intensives Studium der kanaresischen Sprache, sammelte wertvolle alte schriftliche Quellen und überließ der Nachwelt eine auf 6 Bände angewachsene Sammlung von unschätzbarem Wert. Mit seinem Stiefbruder Gottfried Weigle arbeitete er an der Bibelübersetzung in die in Indien weit verbreitete dravidische Sprachfamilie. Die Verbindung zur Heimat ist trotzdem lebendig geblieben, denn von Weigle stammt beispielsweise der Text „Drunten im Unterland“, den Silcher vertont hat.

Als Mögling krankheitshalber 1860 endgültig nach Deutschland zurückkehren musste, wurde seine bahnbrechende Arbeit bei uns noch kaum erkannt. Doch als Kritik - vor allem im 3. Reich - laut wird, christliche Missionare hätten Kulturen zerstört, da wird das Gedenken an Mögling besonders wichtig. Mit ganzer Hingabe hat er kanaresische Literatur und Kultur erforscht und in einer der wertvollsten südwestindischen Kultursammlungen „Bibliotheca carnatica“ hinterlassen. Dafür verlieh ihm die Tübinger Universität die Doktorwürde. Als „heiliger Mann“ wird er noch immer in Teilen Indiens verehrt. (sz)

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