Monatlicher Stammtisch, Februar 2011, Frauenzimmern, Gasthaus Ochsen

Kurt Sartorius

Die Kirchenglocke auf dem Burgturm von Bönnigheim

Beim gut besuchten Stammtisch des Zabergäuvereins im „Ochsen“ in Güglingen-Frauenzimmern ging es um die Frage, wie eine heute 650 Jahre alte Kirchturmglocke ausgerechnet auf dem Turm der Bönnigheimer Burg landet. Der Heimatforscher Kurt Sartorius aus Bönnigheim gab den gespannten Zuhörern eine Antwort auf diese kuriose Geschichte und andere Begebenheiten mit Kirchenglocken von Bönnigheim. Zitate aus Schillers Glocke ergänzten den lebendigen Vortrag.

1668 brachen in der Bönnigheimer Kirche beim Zusammenläuten zwei kleinere Glocken herunter, nur die 750 kg schwere Glocke mit der Inschrift Markus-Lukas-Johannes-Mathäus blieb im Glockenstuhl. Sie war bereits 1359 von einem wandernden Glockengießer vor Ort gegossen worden nach der Arbeitsweise, wie dies in Schillers Glocke einen literarischen Niederschlag gefunden hat.

Als 1897 die Stadtkirche ein neues Geläut bekommen sollte, wollte man die vorhandenen Glocken einschmelzen, darunter auch die älteste Glocke. Sie wurde bisher bei schweren Unwettern geläutet und hat dem Volksglauben nach Bönnigheim vor schlimmen Schäden bewahren können. So haben sich die Bürger gegen das Einschmelzen gewehrt. Die Stadt hat die alte Glocke der Kirchengemeinde abgekauft. Jetzt wurde die Spitze des Burgturms umgerüstet, ein Glockenstuhl eingebaut, um die ehemalige Kirchturmglocke aufzuhängen. Regelmäßig erklang nun von dort aus ihr Läuten.

Als 1945 der Turm einen Granattreffer bekam, stürzte die Glocke auf den Boden, wurde aber nur leicht beschädigt und konnte nach Kriegsende wieder auf dem Burgturm aufgehängt werden. Jeden Tag stieg eine Frau mehrmals hinauf, um das Seil zu ziehen, mit dem die Glocke bewegt wurde. 1962 hat der Gemeinderat beschlossen, ein elektrisches Läutwerk einzubauen. So läutet bis zum heutigen Tag um 11:00 und 17:00 Uhr vom Bönnigheimer Burgturm die einstige Kirchturmglocke und bewahrt, so nehmen wir an, die Bönnigheimer weiterhin vor schweren Unwettern. (sz

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