Monatlicher Stammtisch, Januar 2011, Frauenzimmern, Gasthaus Ochsen

Dr. Kay Weidenmann

Die Waldensergemeinde Nordhausen – die Geschichte unserer Vorfahren

Knapp 30 Mitglieder und Freunde hatten sich beim Stammtisch des Zabergäuvereins im „Ochsen“ in Güglingen-Frauenzimmern eingefunden. Dr. Kay Weidenmann informierte in einem spannenden Power-Point-Vortrag die Zuhörer über „Die Waldensergemeinde Nordhausen – die Geschichte unserer Vorfahren“.

Aus der kritischen Einstellung gegen überkommene kirchliche Strukturen geht etwa 1170 die Glaubensbewegung der Waldenser hervor. Benannt ist sie nach Waldus, einem ursprünglich reichen Kaufmann aus Lyon, der nach einschneidendem Erlebnis das Armutsideal und die Bibel als Lebensgrundlage wählte. Die Laienbewegung breitet sich aus und wird 1532 zur Kirche. Doch werden im politischen Wechselspiel die Waldenser heftigster Verfolgung ausgesetzt und zurückgedrängt in schwer zugängliche Alpentäler zwischen Frankreich und Savoyen. Schließlich muss ein Teil der Waldenser Savoyen verlassen. Einzelne Gruppen finden Aufnahme in Württemberg in Gebieten, die noch vom 30-jährigen Krieg her teilweise entvölkert sind.

Vom 28. Mai bis 1. Juni 1700 erreichen um die 200 Waldenser einen zugewiesenen Siedlungsraum nördlich von Hausen, der Ort bekommt den Namen „Nordhausen“. Ein schwerer Anfang steht bevor, großer Fleiß wird abverlangt. Die Markung umfasst 630 Morgen, 5 Jahre Steuerfreiheit wird zugesichert, 14 Jahre werden es. Die Siedler bauen ihre eigene Kirche und Schule. Bis 1823 wird das Patois gesprochen, ein Dialekt, den die Menschen aus ihrer Heimat mitgebracht haben. In der Kirche blieb als Symbol der Leuchter, darüber im Halbkreis 7 Sterne und das Losungswort: Lux Lucet in Tenebris (Licht leuchtet in der Finsternis). Dass es seit 1936 die Deutsche Waldenservereinigung gibt, dass Nordhausen 2000 zudem noch einen eigenen Verein gegründet hat und ein Museum betreibt, zeugt von lebendigem Geschichtsbewusstsein und von der Suche nach den Wurzeln in der Vergangenheit.

Mit viel Beifall wurde der interessante Vortrag von Dr. Kay Weidenmann aufgenommen.  (sz)

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