Oktoberstammtisch

Seltene Obstsorten im Zabergäu

Über 30 Teilnehmer kamen zum Stammtisch des Zabergäuvereins in die Gaststätte „Weinsteige“ in Güglingen, um von dem Vorsitzenden des Pomologenverbandes BW, Hermann W. Schreiweis, etwas  über seltene Kultursorten bei Äpfeln und Birnen im Zabergäu zu erfahren. Weit über 50 Sorten hat der Referent über verschiedene Kontakte kennengelernt, die Standorte der Bäume festgehalten, Reiser geschnitten, auf eigene Bäume gepflanzt, ihre Entwicklung verfolgt. Oft übertrifft das Aroma der „alten“ Sorten das von den Neuzüchtungen, so die Sicht von Schreiweis. Zur Anschauung brachte der Referent eine große Anzahl von Äpfeln und Birnen mit: Gewürzluiken, Bonapfel, Öhringer, Boskoop, Kaiser Alexander, Lederapfel, Zabergäurenette, Goldparmäne; bei Birnen: Gellerts Butterbirne, Prinzessin Marianne, Pastorenbirne, Mühlbacher Wasserbirne, Struwwelpeterbirne, um nur einige aus dem reichen Sortiment zu nennen. Die starke Zunahme der Allergien hat Schreiweis am Ende angesprochen. Geeignet für Allergiker sind beispielsweise Alkmene, Berlepsch, Boskoop, Goldparmäne, ungeeignet Cox Orange, Golden Delicious, …Geeignet für Diabetiker: Alkmene, Idared … So durften die Teilnehmer von dem spannenden Vortrag auch einen konkreten Gesundheitstipp mit nach Hause nehmen. sz    

September-Stammtisch

Ruhebänke im Zabergäu

Beim gut besuchten Stammtisch des Zabergäuvereins im „Gasthaus Weinsteige“  in Güglingen ging es um sog. „Grugstätten, Gruhen, Grugbänke… “, so einige Namen in unterschiedlichen Regionen für steinerne Ruhebänke unserer schwäbischen Heimat. Heidrun Lichner, 2. Vorsitzende des Vereins, hat verschiedene Formen dieser Gruhen, die vorwiegend zwischen 1780 und 1850 entlang von Feldwegen aufgestellt waren, in allen Zabergäuorten erfasst, fotografiert und dokumentiert. Im Bildband „Steinerne Zeugen … Kleindenkmale unserer Region“  stellt Lichner u.a. auch diesen Abschnitt ihrer gründlichen Heimatforschung vor. 
Bei der Feldarbeit früher mussten die Menschen immer wieder mit eigener Kraft Feldfrüchte, Heu und andere Dinge nach Hause tragen. Nicht selten trugen vor allem die Frauen die Lasten auf dem Kopf. Um ohne fremde Hilfe zwischendurch mal eine Verschnaufpause einlegen zu können, war die knapp mannshohe Gruhe ein willkommener Ablageplatz für die Last. Bei den zweiseitigen Grugstätten gab es daneben gleich die steinerne Sitzbank zum Ausruhen, zum „Ausgruagen“. Wenige dieser unterschiedlich geformten  Gruhen sind noch erhalten, manche wurden aus alten Steinen nachgebaut, andere ganz neu von Steinmetzten errichtet als eindrucksvolle Zeugen der Vergangenheit. sz

Juli-Stammtisch

Der Lettner in der Cyriakuskirche in Bönnigheim

Beim Julistammtisch des Zabergäuvereins im Gasthaus Weinsteige in Güglingen bot der Heimatkundler Kurt Sartorius den Stammtischbesuchern per Power Point einen spannenden Einblick in die Geschichte der Bönnigheimer Cyriakuskirche und in den dort erhaltenen  Hochaltar und den Lettner. Nur 3 Lettner haben in Württemberg in evangelischen Kirchen die Reformation überstanden, in der in aller Regel die Relikte aus katholischer Zeit herausgenommen wurden.  „Bis hierher und nicht weiter“, könnte man den Lettner als Schranke zwischen dem Heiligen Chor, der den Geistlichen vorbehalten war, und den normalen „Sündern“ beschreiben. Diese Trennung widersprach der evangelischen Lehre. Doch in der Ganerbenstadt Bönnigheim wurden zwar die Stadtherren und damit auch ihre Untertanen evangelisch, aber die Stadt gehörte zum Erzbistum Mainz. Der Bischof ließ die Reformation und die Übernahme der Kirche nur unter der Bedingung zu, dass der Hochaltar und die romanische Chorschranke erhalten bleiben. So wurden in der Cyriakuskirche diese Kunstwerke gerettet. sz

Halbjahresveranstaltung des Zabergäuvereins

Dr. Otto Linck wäre am 15.05.2017 125 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass wurde vom Zabergäuverein einige Wochen nach dem Geburtsdatum als Thema für die Halbjahresveranstaltung gewählt: „Landschaft und Gedicht: ein botanisch-literarischer Spaziergang auf dem Michaelsberg auf den Spuren von Otto Linck“.  Etwa 30 Mitglieder und Freunde haben sich beim Steinbruch Näser am Fuße des Michaelsbergs eingefunden, um dort den spannenden Ausführungen von Eberhard Binder, einem kompetenten Naturkundler, zu lauschen. Manfred Göpfrich- Gerweck hat mit kurzen literarischen  Beiträgen von Otto Linck eine weitere Seite des Forstmanns, Geologen, Biologen, Heimatschützers, Heimatkundlers, Kulturgeschichtlers, Literaten und Künstlers gewürdigt. Schließlich war er jahrzehntelang Vorsitzender des Zabergäuvereins.

Beim „Näser“ sind besonders gut die unterschiedlich gefärbten bunten Mergel sichtbar. Gesteine wurden  dorthin von riesigen Gebirgen vor 200–230 Millionen Jahren von Flüssen hergebracht und abgelagert. Harte und weiche Schichten wechseln sich bedingt durch die unterschiedliche Erosion ab.

In der Steppenheidelandschaft, die sich auf dem Kopf des Michaelsbergs herausgebildet hat, überleben bis heute Pflanzen, die man sonst nicht mehr findet.  sz

Juni-Stammtisch

Auswanderungen

Beim Stammtisch in der Weinsteige in Güglingen erlebten knapp 30 Teilnehmer einen spannenden Ausflug in einen Bereich der Genealogie, der weniger geläufig ist. Klaus Rupp berichtete zunächst über Auswanderer aus Baden und Württemberg und anderen Teilen Deutschlands nach Russland ins Schwarzmeergebiet im Anfang des 19.Jahrhunderts. Dorthin hatte sie die Zarin Katharina mit verschiedenen Privilegien gelockt. Doch als 1871 diese Privilegien entzogen wurden, entschlossen sich manche Nachkommen der Schwarzmeerdeutschen notgedrungen erneut zur Auswanderung, diesmal vorwiegend in den Norden der USA, nach Nord- und Süddakota und in angrenzende Provinzen Kanadas. Dort vergab die amerikanische Regierung Land. Die meisten Neuankömmlinge ließen sich als Weizenbauern nieder. Wiederum war es der große Fleiß, der schließlich manche Siedler der 2. und 3.Generation zu Wohlstand brachte. Klaus Rupp hat vor einigen Jahren Nord- und Süddakota bereist und eindrucksvolle Spuren russlanddeutscher Auswanderernachfahren gefunden. Darunter sind auch Nachkommen von Familien aus dem Kraichgau und dem Zabergäu. Obwohl die Vorfahren vor über 200 Jahren Deutschland verlassen haben, wissen die Heutigen noch um ihre Herkunft und pflegen die Erinnerung daran. sz

Mai-Stammtisch

Dreimärker und ihre Bedeutung

Rund 35 interessierte Zuhörer erfuhren beim Mai-Stammtisch in der Güglinger “Weinsteige” in einem PowerPoint-gestützten Vortrag von Gotthilf Sachsenheimer, was es mit den “Dreimärkern”, auf die man gelegentlich auf Spaziergängen in unserer Umgebung trifft, auf sich hat.
Diese dreiseitigen Steine trennten einst je drei Gemarkungen und dienten auch als Ländergrenzen.
Dreimärker trennten zum Beispiel Eppingen, Kleingartach und Niederhofen oder Kürnbach, Sternenfels und Leonbronn, außerdem kennzeichneten sie die Grenze zwischen dem Großherzogtum Baden und dem Königreich Württemberg.
Die Gemarkungsgrenzen verliefen oft topographisch, sie orientierten sich also an den Landschaftsformen.
Viele Steine sind heute durch die Waldwirtschaft schwer beschädigt und werden von Dreibockgerüsten geschützt.
Man sagte den Dreimärkern lange okkulte Kräfte nach. Herausgeschlagene Brocken legte man Kühen mit Blähungen auf den Bauch, gemahlen bekamen Kranke sie ins Bett gelegt.
Seit 2009 kann man viele restaurierte Steine entlang der Birnbaumallee bei Kleingartach bewundern.

April-Stammtisch

Hildegard von Bingen

Beim letzten Stammtisch des Zabergäuvereins über Hildegard von Bingen kamen im Gasthaus Weinsteige in Güglingen über 40 Teilnehmer zusammen. In einem spannenden Power Point Vortrag stellte Dr. Larissa Leibrock-Plehn, Apothekerin aus Brackenheim, die Universalgelehrte des 12. Jahrhunderts  unter dem Titel:  „Hildegard von Bingen (Benediktinerin) und ihr medizinisches Konzept“ vor.
Die 1098 als zehntes  Kind geborene Hildegard kam schon sehr früh in die Abgeschiedenheit von Klostermauern, eignete sich aber dort eine erstaunlich vielfältige Bildung an und wurde 1136 Äbtissin. Ihr war die Gabe der Vision geschenkt, diese wurde vom Papst anerkannt. Weil gewissermaßen der Heilige Geist sie lenkte, konnte sie auch die Kleriker ermahnen, ohne als Ketzerin verfolgt zu werden. 5 Bücher und über 300 Briefe schrieb sie, tauschte sich mit vielen bedeutenden Persönlichkeiten ihrer Zeit aus, u.a. mit Barbarossa. Auf ihren Predigtreisen kam sie auch ins Kloster Maulbronn. Durch ihre Beschäftigung mit der Theologie, der Eigenschaften von Heilpflanzen, der gesunden Ernährung, der Medizin überhaupt, der Musik wurde sie zu der berühmtesten Frau des Mittelalters. In ihrer medizinischen Betrachtungsweise stehen Wissenschaft und Aberglaube nebeneinander. sz  

März-Stammtisch

Ein historischer Kriminalfall?

Die rekordverdächtige Zahl von etwa 70 Besuchern wurde beim Stammtisch des Zabergäuvereins im Gasthaus „Weinsteige“ in Güglingen gezählt. Ein „historischer Kriminalfall – eine Mordtat in Güglingen“  war angekündigt, und spannende Einblicke in eine historische Begebenheit bot der 1. Vorsitzende des Vereins, Uli Peter, den interessierten Zuhörern. „Mein Name ist Paul“, so stellte er das Skelett vor, das im Sommer zufällig beim Ausbaggern eines Abwasserkanals im Baugebiet  „Lüssen“ entdeckt wurde. Der aufmerksame Baggerführer verständigte den ehrenamtlich tätigen Uli Peter. Mit Zustimmung des Landesdenkmalamts konnte er ein weitgehend erhaltenes Skelett eines Kriegers im mittleren Alter mit Schwert und Lanzenspitze freilegen. Wie elektrisiert war der Heimatforscher, als er noch einen Dolch fand, der in der Wirbelsäule steckte. Wann hat dieser Krieger gelebt, wurde er umgebracht, ist es der erste dokumentierte Güglinger, nachdem die Römer abgezogen waren? Experten in Stuttgart, Esslingen und Konstanz sind dabei, das eine oder andere Geheimnis zu lüften. Bis jetzt datiert man den „Haudegen“ –so Einschätzungen nach verschiedenen Blessuren-  ins 6.- 8. Jahrhundert. War er Alemanne oder Franke? Der Dolch könnte auch rituelle Bedeutung haben. Wir dürfen gespannt sein, was die Wissenschaft noch über Paul herausfinden wird. sz

Februar-Stammtisch

Der "Arme Konrad"

Beim gut besuchten Stammtisch des  Zabergäuvereins in der „Weinsteige“ in Güglingen berichtete der engagierte Heimatforscher Dr. Otfried  Kies über die Aufstände der Bauern, die sich den Namen „Armer Konrad“ gaben.  Sie erhoben sich im Jahr 1514 in Württemberg gegen die Herrschaft. Herzog Ulrich hatte zuvor die Steuerlast gewaltig erhöht. In Beutelsbach begann der Aufstand, danach breitete er sich in ganz Württemberg aus. Die Obrigkeiten reagierten in den einzelnen Ämtern nicht überall mit der gleichen Härte. Als Herzog Ulrich schließlich Würzburger Reiter holte, mussten die Bauern aufgeben. Aus der Chronik von Lauffen kennen wir sowohl  die Abläufe, die Namen als auch Strafen für die einzelnen Anführer nach dem Aufstand. Hans Hoffner, so wird ausführlich dargestellt, wurde im Stuttgarter Rüsthaus, dem „Harnaschhaus“ dem peinlichen Verhör, einer sehr harten Folter, unterzogen. Er wurde mit nach hinten gebunden Armen an der „Waage“ hochgezogen. Die Beine wurden mit einem Stein beschwert.

Unterschiedliche Bewertungen hat im Laufe der Geschichte der „Arme Konrad“ gefunden. Er wurde zum Vorläufer des Bauernkriegs, der 11 Jahre später unser Land erneut erschüttert und wieder mit dem Sieg der Obrigkeit geendet hat.  sz

Nachweihnachts- und Geburtstagsfeier 2016

Friedrich Losch – ein Pfarrer mit vielen Facetten
Überraschendes und Unterhaltsames bei der Geburtstagsfeier des Zabergäuvereins

„Hier angekommen wußte er nichts eiligeres zu tun, als einen Altertumsverein [in Backnang] zu gründen. Das „pectus pastorale“ fehlt ihm vollkommen.“ Das schrieb ein Dekan in seiner Beurteilung über Dr.Friedrich Losch und dessen Zeit als Pfarrverweser in Unterweisach 1884.
Für Günter Keller, engagierter Heimatforscher aus Hausen und Mitglied im Zabergäuverein, bot der „Allrounder Losch“ für viele Jahre Stoff zur Recherche. Überraschendes, Unbekanntes und viel Amüsantes förderte er dabei ans Tageslicht, womit er bei der jährlichen Nachweihnachts- und Geburtstagsfeier am 27. Dezember im Hausener Gemeindesaal den vielen Gästen einen informativen und sehr unterhaltsamen Abend bereitete, gespickt mit Anekdoten und Schmankerln.
Friedrich Losch, von 1895-1903 recht ungern Pfarrer in Hausen, damals eine Hochburg der Schweinezucht, wo man ihm aus seinem außerhalb gelegenen Pfarrgarten Obst und Gemüse klaute und wo man die sittliche Erziehung sehr „lax“ handhabte, interessierte sich schon als Schüler für alt- und mittelhochdeutsche Literatur und promovierte später im Fach Germanistik über „Die mit dem Suffix –ei gebildeten Verbalabstracta im Gotischen“  – neben dem Studium der Theologie. Doch der passionierte Wanderer und Musiker beließ es nicht dabei. Er war Vereinsgründer, Höhlenforscher, Archäologe, Volkskundler und Kräuterexperte. Vieles hinterließ er der Nachwelt, wovon diese heute kaum noch etwas weiß, es sei denn, man ist selbst Archäologe oder Höhlenforscher.
Losch beteiligte sich bei Ausgrabungen am Burghörnle, Teil einer der größten bekannten Keltensiedlungen in Europa, dem „Heidengraben“. Nach der Entdeckung der Gutenberger Höhle gründete Losch 1889 den Schwäbischen Höhlenverein, um Gelder für Ausgrabungen zu bekommen. Im selben Jahr rief er auch die Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins von Erkenbrechtsweiler ins Leben.
Auf seinen Wanderungen sammelte er Kräuter, ließ sich über ihre Heilwirkung erzählen und veröffentlichte 1903 schließlich sein wichtigstes Werk, das „Kräuterbuch“, das 2015 in Leipzig neu aufgelegt wurde, und bereits 1906 erschien das Buch mit den faszinierenden Zeichnungen auf Französisch.
Im Zabergäu fühlte Losch sich anerkannter als in seiner Pfarrei und wurde 1899 zum Mitbegründer des Zabergäuvereins, dessen Vorsitz er von 1900 bis 1903 innehatte. Tagesausflüge in den Stromberg wurden organisiert, um den Fremdenverkehr anzukurbeln.
Obwohl eher unglücklich in Hausen, ließ er die Kirche putzen, Taufstein und Altar erneuern. Und dann hält Keller noch eine kleine Sensation für die Pfarrerin Mechthilde Raff-Eming und sein Publikum bereit: Was mag sich unter dem Putz beim Zugang zur Sakristei verstecken? Vielleicht Fresken des Heiligen Antonius, zu dessen Attributen ein Schwein gehört? Zu Loschs Zeit hatte der Kirchengemeinderat kein Interesse an einer Freilegung, aber vielleicht gelingt es jetzt mit der Unterstützung des Zabergäuvereins, wie sein Vorsitzender Uli Peter andeutete.
Auch wenn sich Losch nach seiner Versetzung nach Grimmelfingen viel wohler fühlte: Die Schweine von „Säuhausen“ waren die schönsten, worauf  ein älterer Zuhörer am Ende hinweist!

Dezember-Stammtisch

Steinmetz- und Baumeister – ihre steinernen Zeugnisse im Zabergäu
Beim Dezemberstammtisch des Zabergäuvereins im Gasthaus Weinsteige kamen knapp 40 Freunde und Mitglieder zusammen, um von Steinmetz- und Baumeistern  im Zabergäu zu hören, von ihren hinterlassenen steinernen Zeugnissen Bilder zu sehen. Heidrun Lichner, 2. Vorsitzende des Vereins,  hat eine Fülle solcher Steindenkmäler aus verschiedenen Jahrhunderten in einem Power Point -Vortrag zusammengestellt. Als Gesellen bekamen die Steinmetze ihr Hand- oder Steinmetzzeichen verliehen. Die Zeichen durften dann am Ende der Arbeit in den Stein eingeschlagen werden. Manchmal wurden sie etwas verändert, seitenverkehrt oder auf dem Kopf stehend gestaltet. Jahreszahlen und Werkzeuge in Stein gemeißelt geben zudem Hinweise auf den Beruf. Über manche der im Zabergäu tätigen Bau- und Steinmetzmeister wie Hans Spryß , Balthasar Murer, Johann Georg Wagner, Martin Berwart, Hans Wunderer, Heinrich Schickhardt konnte Heidrun Lichner in Kirchenbüchern oder aus andern Quellen mit Erfolg recherchieren, mancher Lebenslauf  wird wohl im Dunkeln bleiben oder muss mit Fragezeichen versehen werden, so der von Zeisolf von Magenheim. Hat er eine so große Zahl von Steinzeugnissen, die mit einer Mondsichel signiert sind, tatsächlich schaffen können? War ein Adliger damals überhaupt Steinmetzmeister? sz

 

Epitaph des Martin Berwart an der Ostseite der Johanniskirche in Brackenheim

Jahreshauptversammlung 2016 des Zabergäuvereins

Ein volles Programm wurde bei der Jahreshauptversammlung des Zabergäuvereins  geboten. Während vormittags der Leiter des Güglinger Römermuseums  Enrico De Gennaro unter dem Thema „Alte Funde im neuen Licht: Die römischen Steindenkmäler im Güglinger Stadtraum“  präsentierte, stellte er nachmittags  nach den Regularien in einem Power- Point-Vortrag zusammen mit Markus Ege das Projekt einer einmaligen und großen Siedlungspanoramawand bei der archäologischen Freilichtanlage in Güglingen vor. Mitte /Ende November 2016 soll das Projekt verwirklicht werden.

Die Regularien bei der Hautversammlung.

Zunächst begrüßte im Foyer der Güglinger Herzogskelter der 1. Vorsitzende Uli Peter die 38 Mitglieder und Freunde des Vereins, darunter den stellvertretenden Bürgermeister Markus Xander. Er bedankte sich für die harmonische Arbeit innerhalb der Vorstandschaft und  für die Unterstützung durch den Ausschuss und leitete nach der Totenehrung zum Bericht des Schriftführers Horst Seizinger über. Dieser streifte kurz die Hauptversammlung 2015 in Schwaigern mit Besichtigung der Stadt und der Kirche mit dem Barbaraaltar, die Nachweihnachts- und Geburtstagsveranstaltung im Güglinger Ratssaal über Pfarrer Christoph Ulrich Hahn, dargeboten von Kurt Sartorius,  die Halbjahresveranstaltung und die monatlichen Stammtische. Einen Vortrag über Pfarrer Dr. Friedrich Losch wird Günter Keller am 27.12.16 in Hausen halten. Im Blick auf 2017 denkt man an das Thema Reformation bei der Hauptversammlung, zum Halbjahrestreffen  an „Landschaft und Gedichte“ in Neipperg. Natürlich werden die monatlichen Stammtische beibehalten.

Kassier Otto Papp stellte die Kassenlage dar. Nach dem Stand vom 30.09.16 stehen den Einnahmen von 8 946 € Ausgaben von  5 107€ gegenüber. Doch die Rechnung  für ein bereits erstelltes Heft  steht noch aus, so dass am Ende nur eine „Überdeckung“ von 1.850 bleibt, die ins Vereinsguthaben einfließt. Die Mitgliederzahl liegt derzeit  bei knapp über 300. Das relativ hohe Durchschnittsalter lässt auf längere Sicht leider einen weiteren Rückgang erwarten. Detaillierte Aufstellung ist beigelegt.

Die Kassenprüfer Ernst Schmid und Volker Dühring bescheinigten eine einwandfreie und übersichtliche Kassenführung. Markus Xander beantragte nach seinem Grußwort die Entlastung des Kassiers und der gesamten Vorstandschaft, was durch Handzeichen einstimmig erfolgte.

Der gesamte Vorstand und die Kassenprüfer wurden für die nächsten 5 Jahre neu gewählt. Dem Wahlleiter Markus Xander lagen die Namen der bisherigen Amtsinhaber als Kandidaten vor. Lediglich der Kassenprüfer Ernst Schmid kandidierte nicht mehr.  Martin Flammer erklärte sich zur Kandidatur als Kassenprüfer bereit. Weitere Vorschläge kamen nicht. Gewählt wurden jeweils einstimmig: Uli Peter: 1. Vorsitzender, Heidrun Lichner:  2. Vorsitzende, Horst Seizinger: Schriftführer, Otto Papp: Kassier, Manfred Göpfrich-Gerweck: Schriftleiter, Volker Dühring: Kassenprüfer, Martin Flammer: Kassenprüfer. Nach einer Diskussion über Mitgliederwerbung konnte der 1.Vorsitzende den offiziellen Teil der harmonischen und informativen Hauptversammlung schließen.

Oktober-Stammtisch

Der getaufte Türke Soldan - eine Legende

Beim Stammtisch des Zabergäuvereins in der „Weinsteige“ in Güglingen ging es um den Türken Johannes Soldan. Ein württembergischer Graf Reinhard, der in keiner Urkunde zu finden ist, soll den gefangenen türkischen Offizier  von einem Kreuzzug mitgebracht haben. Aufgrund seiner Tapferkeit wurde er hier bekannt, heiratete 1304 eine Einheimische und wurde später in der Brackenheimer Johanniskirche christlich getauft. Für Dr. Otfried Kies, den kompetenten Heimatforscher und Referenten des Abends, der sich 9 Jahre mit dem Thema befasst hat, beginnt schon hier die Frage nach dem Wahrheitsgehalt. Vor der christlichen Taufe schließt der Moslem die Ehe mit einer Christin und heiratet dann noch eine zweite Frau, beides Todsünden im Verständnis der Kirche. Weiter belegen Quellen  gleich 15 Mal den Namen Soldan in unserem Raum, keinen ähnlichen Namen in Konia, wo Soldans Geburtsstätte liegen könnte. Das Epitaph aus Marmor, das in der Johanniskirche Brackenheim gestanden haben soll und die Grabkapelle können nach gründlichem Quellenstudium nicht aus dem 14.Jahrhundert stammen. Schließlich wird Soldan sogar zur Ahnenreihe von Goethe gezählt. Nach  Dr. Otfried Kies ist alles ein spannender Mythos, der im Laufe späterer Jahrhunderte entstanden ist. sz    

 

September-Stammtisch

Jeder Tag ist eine neue Herausforderung

Beim ersten Stammtisch des Zabergäuvereins nach der Sommerpause erwartete die Gäste in der Güglinger „Weinsteige“ ein Vortrag über ein faszinierendes Projekt: der auf 60-80 Jahre angelegte Aufbau einer karolingischen Klosterstadt mit 25 Gebäuden, der Campus Galli bei Meßkirch, nach dem rund 1200 Jahre alten Klosterplan von Sankt Gallen.
Die Referentin Verena Scondo, eine Schweizerin im Zabergäu, und der Aachener Bert M.Geurten fanden nach langem Suchen unweit des Bodensees ein geeignetes Areal und Sponsoren und konnten im Sommer 2013 damit beginnen, ihren ehrgeizigen Plan mit vielen ehrenamtlichen Helfern und wissenschaftlichen Beratern in die Tat umzusetzen. Als Vorbild diente den Initiatoren der Aufbau einer mittelalterlichen Burg in Frankreich, Guédelon, unweit Auxerre. Doch anders als dort wird in Meßkirch alles von Hand gemacht – natürlich unter Beachtung gewisser Sicherheitsauflagen -, wozu man sich täglich neue Techniken mühsam aneignen muss. Ob es darum geht, Wolle zu färben, Nägel zu schmieden, die Felder mit einem Ochsengespann zu bestellen oder eine Holzkirche zu errichten – alles wird absolut authentisch bearbeitet. Das 21.Jahrhundert findet erst am Feierabend oder in der Winterpause statt.
Das Projekt hat sich zu einem Touristenmagnet entwickelt, auch Filmemacher sind häufig zu Gast, gibt es doch nahezu täglich Neues zu entdecken. Und wo kann man schon so leicht ins Mittelalter eintauchen!  el

Nach ihrem Vortrag musste Verena Scondo (li) viele Fragen der interessierten Zuhörer beantworten.

Juli-Stammtisch

Sippenhaft  für Familie des Widerstandskämpfers Carl Goerdeler

Kurt Sartorius berichtete im Zabergäuverein über interessante neue Aspekte der Sippenhaft der Familie Carl Goerdelers, des Widerstandskämpfers und Leipziger Oberbürgermeisters, die nach dem misslungenen Attentat auf Hitler am 29. Juli 1944 im Katharinenplaisir Cleebronn in Sippenhaft genommen und nach Heilbronn gebracht wurde. Fast 9 Monate dauerte ihre schwere Odyssee zusammen mit vielen weiteren prominenten Häftlingen über 9 Stationen, darunter KZ Stutthof in Westpreußen, SS-Lager Matzkau bei Danzig, KZ Buchenwald, KZ Dachau, SS Sonderlager in Innsbruck, Niederdorf im Hochpustertal. Zwei Tage nach ihrer dortigen Ankunft fand die Befreiung durch die deutsche Wehrmacht statt. Was war der Grund, dass man 139 „Ehrenhäftlinge“ mit schwer bewaffnetem Begleitkommando in 5 Omnibussen quer durch Deutschland fuhr? Die Prominenten sollten als Faustpfand für die Verhandlungen mit den Amerikanern dienen. Bis zum Schluss lebten sie zwischen Hoffen und Bangen, hörten von ihren Bewachern immer wieder „erschießen, umlegen“. Durch ein Missverständnis konnten sie nicht in das ihnen zugedachte letzte Quartier. Sie übernachteten in Niederdorf.  Der Mitgefangene Oberst von Bonin nutzte seine Kontakte und bat den Chef des Stabes der Heeresgruppe  in Bozen, General Röttiger, um Hilfe. Hauptmann Alversleben setzte die SS fest, indem er zwei Wehrmachtskompanien anforderte. Die Geiseln fanden freundliche Aufnahme im Hotel „Pragser Wildsee“. Dort wurden sie 4 Tage später durch die US-Armee befreit.

 

Auf den Spuren der Wildkatze im Stromberg

Ein überschaubares Grüppchen Interessierter traf sich zur diesjährigen Halbjahresveranstaltung des Zabergäuvereins am 11.Juni im Naturparkzentrum Zaberfeld und erfuhr von der Naturparkführerin Ilse Schopper viel Wissenswertes über die Wildkatze.
Zuerst einmal: Gibt es überhaupt Wildkatzen im Stromberg, oder leben sie nur im Wildparadies Tripsdrill? Ja, sie ist tatsächlich kein Phantom, auch wenn man sie lebend kaum zu sehen bekommt. Das Wissen um ihre Existenz verdankt man hier allerdings einem traurigen Umstand: Dietmar Gretter, Geschäftsführer des Naturparks, fand 2010 eine tote Katze am Straßenrand in Oberderdingen, und dank mit Baldrian eingesprühter Lockstöcke – raue Holzstäbe, an denen sich die Katzen reiben, wodurch Haare daran hängenbleiben – gibt es bisher acht Nachweise.
Die Mitglieder konnten auch an einer Station der Ausstellung ihr Gehör testen und feststellen, dass sie Töne höchstens bis ca. 20‘000 Hertz hören können, die Katze dagegen bis 60‘000. Und der ältere Mensch hört eher noch weniger. Dafür sieht er im Gegensatz zur Katze Farben!
Genau hinschauen musste man an den ausgestellten Fellen einer Haus- und einer Wildkatze, um Unterschiede zu erkennen. Allerdings sind Wildkatzen grundsätzlich schwach getigert, haben eine hellere Nasenspitze, weiße Schnurrhaare und einen plumperen Körperbau.
Eines ist aber sicher: Sollte man einer Katze begegnen, die freiwillig schwimmen geht, so ist es sicher eine Wildkatze.
Die vielen Fragen des Grüppchens wurden ausführlich von Frau Schopper beantwortet, und ein gemütlicher Ausklang bei Kaffee und Kuchen auf der Sonnenterrasse direkt unter den wachsamen Augen eines klappernden Storchs rundete die unterhaltsame Lehrstunde ab.

 

Juni-Stammtisch

Sinti und Roma

Beim Stammtisch des Zabergäuvereins wurden die Besucher mit einem nicht gerade alltäglichen Thema vertraut gemacht. Paulina Siegel aus Stockheim hat sich in ihrer Vorbereitung auf das Abitur am Zabergäu-Gymnasium mit dem Thema „Sinti und Roma – ein unbeliebtes Volk?“ auseinandergesetzt und dazu Gespräche mit einer Migrantin dieser Volksgruppe, die sich selbst „Zigeunerin“ nennt, aus Brackenheim geführt. Es gibt in der 15.200 Einwohner zählenden Heuss-Stadt 63 Nationalitäten, darunter 50 Sinti und Roma.
Eine lebhafte Diskussion schloss sich an den PowerPoint-Vortrag der versierten Abiturientin an. Ganz im Mittelpunkt stand dabei das aktuelle Thema Toleranz.   sz

Mai-Stammtisch

Stammtisch über Kleindenkmale

Beim Stammtisch des Zabergäuvereins im „Gasthaus Weinsteige“ ging es um Kleindenkmale. Es sind von Menschenhand geschaffene, ortsfeste, oft freistehende kleine Denkmale. Dr. Norbert Hofmann, Archivar von Lauffen, sieht darin Zeugnisse früheren Schaffens, die es zu erhalten gilt. Bei der Vielfalt der Kleindenkmale beschränkte sich der Referent auf die Lauffener Markung.

Einen Schiffspoller von 1883, Flusskilometersteine am Neckar, Weinbergstaffeln und in Stein gemeißelte Namen von Besitzern der Weinberge findet man noch auf der Gemarkung. Aber auch alte Weinberghäuschen und Weinbergschützenhütten sind neben einem Eis- und einem Felskeller erhalten oder wieder nach altem Vorbild hergerichtet worden. Eine Ruhebank aus verschieden hohen Sandsteinen hat man an früherer Stelle neu aufgestellt. Geht man ins Städtchen hinein, so entdeckt man Neidköpfe zur Abwehr böser Geister, Türstürze mit Jahreszahlen, besondere Haustürklingeln, an der Regiswindiskirche ein Ellenmaß für die Marktleute. Auf dem Friedhof oder an Kirchenmauern  geben alte Grabsteine unterschiedliche Hinweise auf Beruf und Amt des Verstorbenen. So bot der Vortrag den Zuhörern viele Anregungen, auf Entdeckungsreise im eigenen Wohnort und im Umfeld zu gehen. sz

April-Stammtisch

Spannende Informationen über Genealogie

Beim Stammtisch des Zabergäuvereins in der „Weinsteige“ in Güglingen erlebten rund 30 Teilnehmer einen spannenden Exkurs über Genealogie. Dr. Otfried Kies, der sich schon seit Jahrzehnten mit der Ahnenforschung beschäftigt und der  eine Reihe von Kirchenbüchern in eine für die Allgemeinheit  lesbare Sprache übertragen hat, berichtete, dass zunächst Adelsfamilien ihre Herkunft festgehalten haben. Manchmal kamen abenteuerliche Stammbäume heraus. Seit dem 19.Jahrhundert forschen auch bürgerliche Familien nach ihrer Herkunft. Erinnerungen, Familienbibeln, Gäste- und Stammbücher sind wichtige Quellen. 1558 führte Württemberg die Kirchenregister (Kirchenbücher) ein, um der weltlichen Regierung Hilfen zu geben. Heute sind sie eine wichtige Quelle.

Eine Reihe von praktischen Tipps, wie man über das Internet in der Genealogie weiterkommt, gab Heidrun Lichner und zeigte dies auch an konkreten Beispielen auf. Zweifellos konnten die beiden Referenten die Lust am Erforschen der eigenen Ahnentafel bei den Zuhörern wecken. sz

Februar-Stammtisch

Spannendes vom „Kaywald“

Rund 50 Stammtischbesucher des Zabergäuvereins kamen im „Ochsen“ in Güglingen- Frauenzimmern zusammen, um mittels einer Power Point Darbietung Eindrücke vom Kaywald bei Lauffen zu bekommen. Der Heimatforscher Günter Keller entführte seine Zuhörer in eine topographische und geschichtliche Landschaft voller Geheimnisse.

Der heutige Wald mit unterschiedlichen Namen war ursprünglich ein Umlaufberg einer Neckarschleife, bevor der Neckar sich einen andern Weg gebahnt hatte. Die württembergischen Grafen legten im Altwasser einen See an, den sie mit Karpfen besetzten. Der See kam von Württemberg 1959 an die Stadt Lauffen, wurde weitgehend zugeschüttet und zum Naturschutzgebiet erklärt. Eduard Paulus fand 1853 Reste eines  Mauervierecks von 100m x 100m und identifizierte sie als Teile eines römischen Gutshofs. Noch immer gibt es die Flur „Bürgle“ und die Sagen erzählen vom Schlossfräulein und vom Waldschlössle und von der Kaywaldhexe. Verschiedene seltene Pflanzen und Tiere findet man im Kaywald. Von der Zabergäubahn allerdings, die 1846 als Schmalspurbahn gebaut und 1965 auf Normalspur umgerüstet wurde, entdeckt man nur noch rostige Schienen, auf denen längst schon kein Zug mehr fährt. sz 

Sozialreformer, Vordenker, Idealist – und fast vergessen

Kurt Sartorius erinnert bei Feier des Zabergäu-Vereins an Christoph Ulrich Hahn
Traditionell lädt am 27.Dezember der Zabergäu-Verein zu seiner Nachweihnachts- und Geburtstagsfeier in das Güglinger Rathaus ein. Den Festvortrag widmete in diesem Jahr der Bönnigheimer Heimatforscher Kurt Sartorius dem bedeutendsten Sozialreformer Württembergs und Bönnigheimer Pfarrer Christoph Ulrich Hahn, der trotz seiner bis heute nachwirkenden Verdienste nur noch wenigen bekannt ist.
1805 in Stuttgart in eine wohlsituierte Familie mit Kontakten u.a. zum württembergischen Königshaus geboren, studiert Christoph Theologie und nimmt für kurze Zeit einen Lehrauftrag in französischer Sprache an einem Privatinstitut in Lausanne an.
1830 gründet er einen Verein zur Ausbreitung religiöser Schriften, die bis heute als Evangelische Gesellschaft weiterbesteht, und ab 1833 arbeitet der beliebte Prediger 26 Jahre lang als Diakon in Bönnigheim. Durch seine beiden Ehefrauen, die jung sterben, knüpft er familiäre Kontakte nach Güglingen (zu den Familien Lutz und Marstaller).
Hahns Schaffenskraft ist enorm. Bereits 1834 gründet er in Bönnigheim nach dem Lausanner Vorbild eine „Knabenerziehungsanstalt“. Seine Schüler kommen aus der Umgebung, aber auch aus dem Piemont, Frankreich, Russland, New York, Ostindien, und so ist die Unterrichtssprache neben Deutsch auch Französisch und Englisch. In den Revolutionsjahren 1848/49 wird der Unterricht unterbrochen, später verschreckt er die Schüler mit seinem zunehmenden rigiden Pietismus, 1853 wird die Schule geschlossen.
Doch Hahns Energie ist ungebrochen. Seine kirchengeschichtlichen Forschungen führen den polyglotten Theologen an viele europäische Universitäten. Er veröffentlicht Bücher und erhält neben anderen Ehrungen die Ehrendoktorwürde der Universität Leipzig.
Stets in seinem Fokus: die Armut seiner Mitmenschen – 200.000 Deutsche verlassen 1852 aus nackter Not ihre Heimat -, die es ihnen oft nicht erlaubt, sich um die Erziehung der Kinder zu kümmern. Bereits 1850 eröffnet Hahn daher den ersten Kindergarten in Bönnigheim, wofür er zum Ehrenbürger ernannt wird.
Der Zufall beschert bei der Renovierung der Bönnigheimer Cyriakuskirche Sartorius einen ganz besonderen Schatz: die Amtskalender des Diaconus Hahn, in dem er akribisch seine unzähligen Krankenbesuche beschreibt (von Dr.Otfried Kies transliteriert).
Hahn ist in seinen sozialpolitischen Forderungen seiner Zeit weit voraus. Er lernt Henri Dunant, den Gründer des Roten Kreuzes kennen, was schließlich zur Gründung des Roten Kreuzes in Württemberg führt, das in der Folge als erster Staat der Welt am 22.8.1864 die Genfer Konvention unterschreibt!
Nach einigen Jahren als Pfarrer in Heslach setzt er sich in Stuttgart zur Ruhe – hochdekoriert für seine vielfältigen Verdienste. Vom pietistischen Eifer ist er nun weit entfernt.
1881 wird er von Karl von Gerok und Scharen von Lobrednern auf dem Stuttgarter Fangelsbachfriedhof beerdigt. Doch dann wird sein Marmorgrabmal von der Stadt demoliert. Gras wächst über das Grab. Erst 2013 errichtet man ihm zum150-jährigen Jubiläum des württembergischen Roten Kreuzes einen Gedenkstein auf dem Friedhof.
Die Veranstaltung des Zabergäu-Vereins war daher eine hervorragende Gelegenheit, sich des großen Sozialreformers in gebührender Anerkennung seiner Verdienste zu erinnern. el

Amphibien- und Reptilienvorkommen im Zabergäu

Dezember-Stammtisch

Beim Stammtisch des Zabergäuvereins hat Dr. Wilhelm Stark über seine Artenkartierung der Amphibien und Reptilien auf einer Fläche von rd. 10 qkm berichtet. Im Rahmen der landesweiten Kartierung hat er im Zabergäu die Vorkommen von Teich- und Laubfröschen, Schwanzlurchen, Molchen, Salamandern u.a.m. erforscht und dokumentiert, die Veränderung ihrer Lebensräume  und ihrer Populationen beschrieben.

Amphibien sind Pendler zwischen Land und Wasser. Der Laich entwickelt sich über verschiedene Stufen im Wasser zum ausgewachsenen Tier, das dann an Land lebt. Die größte europäische Krötenart, die Erdkröte, kehrt zum Laichen in das Gewässer zurück, in dem sie geboren ist. Dabei trägt das Weibchen das Männchen auf dem Rücken. Die Wechselkröte, der Laubfrosch und die Gelbbauchunke gehen bei uns stark zurück, weil die Lebensräume, nämlich geeignete Laichplätze, mehr und mehr zurückgehen. „Mit wenig Geld“, so Dr. Stark, „könnte man viel machen, aber die Bereitschaft ist nicht vorhanden“. Es gibt noch einen ordentlichen Bestand an Grasfröschen, während der Laubfrosch bei uns kaum noch vorkommt. In Ritzen der Trockenmauern ist die Zaun- und Mauereidechse anzutreffen, selten geworden ist dort dagegen die Schling- oder Glattnatter.  sz

Kilianskirche Heilbronn

November-Stammtisch
Beim gut besuchten Stammtisch des Zabergäuvereins im „Ochsen“ in Güglingen-Frauenzimmern stand die Kilianskirche im Mittelpunkt. Rolf Krieg, Kirchenpfleger in Heilbronn, nannte zu Beginn seiner spannenden Power Point Präsentation die Verbindung zum Zabergäu. Baumeister Hans Schweiner  erbaute von 1508 – 1529 den Turm. Der vielbeschäftigte Meister war auch beim Deutschritterorden u.a. in Stockheim tätig.
Die Bauzeit der 1494 begonnenen Kirche fällt in die Zeit vor und nach der Reformation. Veränderungen sind dadurch bedingt. Lustige Figuren oder böse Fratzen spiegeln die Zeit wider. Dass der kunstvoll aus Lindenholz geschnitzte Altar von Hans Seyfer die Reformation überstanden hat, gehört zu den Besonderheiten dieser Zeit und gereicht der freien Reichsstadt, der Besitzerin der Kirche bis 1893, zur Ehre. Als im Dezember 1944 die Kirche weitgehend durch Bombenangriffe zerstört wurde, waren der Altar und historisch wertvolle Kirchenfenster ausgelagert und haben den Feuersturm so überstanden. Mit großem Einsatz wurde nach dem Krieg die mächtige Kirche mit inzwischen 9 Glocken und 3 Orgeln, darunter die Walkerorgel mit 4209 Pfeifen, wieder im alten Stil aufgebaut – und ständig stehen gewaltige Renovierungsarbeiten an.  sz

Protokoll der Jahreshauptversammlung

Vom 18.Okt.2015, 14.00 Uhr Gasthaus „Lamm“ Schwaigern

Pünktlich um 14.00 Uhr konnte der 1.Vorsitzende Uli Peter die knapp 40 erschienen Mitglieder und Freunde Im Gasthaus „Lamm“ in Schwaigern begrüßen. Nach der Gedenkminute für die verstorbenen Mitglieder im abgelaufenen Jahr sprach Uli Peter von einem ruhigen Vereinsjahr ohne besondere Vorkommnisse. Er bedankte sich bei Wolfgang Schönfeld, der bisher die Weitergabe der Berichte an die Mitteilungsblätter getätigt hat. Seine Aufgabe übernimmt nun Helga El-Kothany, die bereits die Homepage betreut. Einen Blumenstock bekam die 2. Vorsitzende Heidrun Lichner für ihre unermüdliche Organisation der Stammtische. Sie sprang auch kurzfristig ein, als ein Referent nicht erschien,  und „zauberte“ spontan einen spannenden Power Point Vortrag  aus ihrem Computer.
Schriftführer Horst Seizinger nannte in seinem Bericht die monatlichen Stammtische, die Halbjahresveranstaltung, die Nachweihnachtsveranstaltung und die Jahreshauptversammlung als die wichtigen Säulen der Vereinsarbeit neben der Herausgabe der Vereinszeitschrift. Auf die inhaltlichen Schwerpunkte verzichtete er, weil in der Presse, auf der Homepage und in den Zabergäuheften darüber berichtet wird. Er las aus dem Protokoll der letzten Ausschusssitzung verschiedene Vorschläge für die Stammtische vor und nannte als Thema für die Nachweihnachts- und Geburtstagsfeier den Vortrag von Kurt Sartorius mit dem Thema:  „Christoph Ulrich Hahn – bedeutendster Sozialreformer Württembergs im 19.Jahrhundert und Bönnigheimer Pfarrer“. (Anlage: Bericht des Schriftführers)
Kassier Otto Papp trug wie gewohnt übersichtlich seinen Kassenbericht vor. Den Einnahmen von € 8860,44 im Vereinsjahr (1.10.14 – 30.09.15) stehen Ausgaben von €  4918,67 gegenüber. Der Überschuss der Einnahmen von € 3941,77 hat damit zu tun, dass die Abrechnung der Zabergäuhefte nicht konform mit dem  Vereinsjahr erfolgt. Zu erwarten ist, dass sich am Ende Einnahmen und Ausgaben etwa decken. Der größte Einnahmeposten sind die Mitgliedsbeiträge mit 8465 €, der größte Ausgabeposten sind die Entstehungskosten für die Hefte in kalkulierter  Größenordnung von 7500 €. Damit bekommt das Mitglied adäquat in Form von Heften zurück, was es an Beitrag erbringt. (Anlage: Kassenbericht)
Die Kassenprüfer Volker Dühring und Ernst-Hermann Schmid bescheinigten in ihrem Kassenprüfbericht dem Kassier eine ordnungsgemäße und übersichtliche Kassenführung  und baten um uneingeschränkte Entlastung. (Anlage: Prüfbericht)
Der Ehrenvorsitzende des Vereins Dr. Tilman von der Kall beantragte die Entlastung des Kassiers und der gesamten Vorstandschaft. Die Entlastung erfolgte einstimmig verbunden mit dem Dank an die Amtsträger.
Unter „Anträge und Verschiedenes“ wurde vom 1. Vorsitzenden herausgestellt, dass er in Verbindung mit den Schulen des Zabergäus versucht, Themen und Referenten für die Stammtische zu finden. Weiter wies er auf die Veranstaltung am 31.Oktober um 15.00 Uhr in Zaberfeld hin zum Thema „Jüdisches Leben in Zaberfeld“

Protokoll gefertigt!

Güglingen, 15.Oktober 2015 Horst Seizinger

 

 

Beiprogramm der Hauptversammlung des Zabergäuvereins

Neben den Regularien bietet der Verein seinen Mitgliedern und Freunden ein abwechslungsreiches Beiprogramm an. Dieses Jahr führten Erwin Steinle und Rudi Häbich vormittags durch die Stadt Schwaigern, nachmittags zeigte Rudi Häbich die Johanneskirche.

766 wurde Schwaigern im Lorscher Kodex erstmals erwähnt, weshalb bei der Begrüßung die Stellvertreterin der Bürgermeisterin, Frau Jörgens, die Besucher im Jahr 2016 zur 1250er-Jahrfeier einlud. Im 11./12. Jahrhundert übernahm das bedeutende Geschlecht der Neipperger, Parteigänger der Habsburger, die Stadt und prägte deren Geschick wesentlich bis ins Jahr 1805. Noch heute leben Grafen von Neipperg mit ihren Familien im Schwaigerner Schloss.
Die erste romanische Kirche stammt wohl aus dem 13. Jahrhundert. Mit der Bedeutung der Kirche als Patronatskirche im Leintal und als Grablege der Grafen von Neipperg wurde die Kirche zu klein. Genau vor 500 Jahren begann Bernhard Sporer unter Einbeziehung der „Alten Kirche“ als Seitenschiff,  daneben eine weit größere Kirche im Renaissancestil zu bauen mit verschieden Seitenkapellen. Dass in der Reformation die dortigen Altäre mit dem berühmten Barbaraaltar von Jörg Ratgeb erhalten blieben, ist wohl dem Einfluss der Neipperger zu verdanken. sz 

Mordfall aus dem 19. Jahrhundert nach über 30 Jahren aufgeklärt

Oktober-Stammtisch

Von einem spannenden Kriminalfall aus dem 19. Jahrhundert  erfuhren die Stammtischbesucher des Zabergäuvereins im Gasthaus „Ochsen“ in Güglingen- Frauenzimmern. Die Referentin Ann Marie Ackermann, eine ehemalige US- amerikanische Staatsanwältin, die seit über 10 Jahren in Bönnigheim lebt, erfuhr bei Recherchen vom Mord am Bönnigheimer Stadtschultheißen Johann Heinrich Rieber im Oktober 1835. Vor seiner Haustüre wurde er mit 4 Schüssen niedergeschossen und starb zwei Tage später. Vom Oberamtsrichter aus Besigheim wurde der Fall untersucht. Er fand heraus, dass 11 „Rehposten“ (große Schrotkugeln) im Leib des Ermordeten steckten. Doch ein Zeuge in der Mordnacht, der einen dunkel gekleideten Mann wegrennen sah, konnte kein Gewehr erkennen. Die  Suche nach der Waffe blieb erfolglos. Der Förster, der zwei Schrotgewehre besaß, wurde verdächtigt. Erstmals in der Kriminaltechnologie wurden Spuren auf Schrotkugeln und Züge der Waffen verglichen und ausgeschlossen, dass die Kugeln aus den Waffen des Försters stammten. So blieb der Mörder unerkannt. 37 Jahre später fiel im Krieg USA/Mexiko der deutschstämmige Soldat Gottlob Jürgen Rüb „als mutiger Mann“,  so der in den USA sehr bekannte Oberst  E. Lee. Ein Auswanderer aus Bönnigheim, August Friedrich  Rupp, war 1872 in Washington DC und erzählte von dem ungeklärten Mord in seiner Heimatstadt. Ein Gast aus Philadelphia nannte Gottlob Rüb aus Stetten als den gesuchten Mörder des Stadtschultheißen, weil dieser damals seine Bewerbung um eine Stelle als Waldschütz abgelehnt habe. Rupp informierte in einem Brief die Stadt Bönnigheim. Nach fast 40 Jahren wurde neu ermittelt in den USA und in Deutschland und schließlich der Kriminalfall als aufgeklärt abgeschlossen. Die ausgesetzte Belohnung von 200 Gulden hat nach Recherchen von Ann Marie Ackermann jedoch Rupp nie bekommen. Man denkt darüber nach, ob man sie umgerechnet wenigstens teilweise seinen Nachkommen zukommen lässt. sz

Spannender Einblick in die Ahnenforschung

September-Stammtisch

Beim gut besuchten Stammtisch des Zabergäuvereins im „Ochsen“ in Güglingen- Frauenzimmern  stand die Genealogie im Mittelpunkt. Der in Zaberfeld- Michelbach wohnhafte Hans- Georg Heinz wurde bei  einem  „Vetterles- Bäsles- Treffen“, zu dem auch ein Verwandter aus Amerika kam und Bilder von Vorfahren der Familie mitbrachte, angeregt, selbst Familienforschung zu betreiben. Ein Vorfahre Heinz ist nach USA ausgewandert. Dessen Bruder kam 1813 in Michelbach beim Holzfällen ums Leben. Ein Gedenkkreuz im Wald erinnert an diesen Unglücksfall.

Hans-Georg Heinz hat nun in Kirchenbüchern gesucht, über genealogische Vereine und über andere Quellen geforscht und konnte seine Ahnenliste über 10 – 12 Generationen zurückverfolgen. Diefenbacher und Heinz gibt es  heute noch in Michelbach und Umgebung, aber auch mehrfach in den USA, wohin manche der Vorfahren ausgewandert sind. Der Referent und die Diskussionsteilnehmer haben weitere Wege aufgezeigt, wie man vorwiegend über das Internet Ahnenforschung betreiben kann, und manchen Zuhörer wohl angeregt, selbst in die Genealogie einzusteigen.  sz

Kalter Krieg auf dem Heuchelberg

Juli-Stammtisch

Beim gut besuchten Stammtisch des Zabergäuvereins  im „Ochsen“ in Güglingen-Frauenzimmern machte der Referent des Abends, Herbert Ade-Thurow, die Besucher mit seiner Power Point Darstellung zur Nachkriegsgeschichte „Kalter Krieg auf dem Heuchelberg“ vertraut. Oberhalb von Eppingen-Kleingartach begannen die Amerikaner 1957 eine Radar- und eine Nike- Raketenanlage mit der dazugehörigen Kaserne einzurichten.  Ältere Einwohner des Zabergäus und des Leintals erinnern sich noch an amerikanische Soldaten, die mit Baumaschinen und anderen  schweren Fahrzeugen auf dem Heuchelberg  anrückten. Sie konnten als Zeitzeugen teilweise wertvolle Informationen zum Thema beisteuern.
1958 wollte die „Schutzgemeinschaft Heuchelberg“ den Bau der Anlage verhindern, doch nach einem Bundesgesetz musste der Nato das Gelände zur Verfügung gestellt werden.  1959 wurde die Basis eingeweiht. 71 Standorte in Westdeutschland mit Nike- Abwehrraketen gab es. In 3-7 km Höhe anfliegende Flugzeuge aus dem Osten sollten von den Abschussbasen aus abgewehrt werden. Ortsansässige Handwerker bekamen in der Station Aufträge, deutsche Zivilbeschäftigte Arbeit,  die Amerikaner kauften in deutschen Geschäften ein. So war nicht überall Freude, als schon nach 10 Jahren die „C-Batterie“ nach Hardheim verlegt wurde. Dass ab 1971 vorübergehend die Basis auf dem Heuchelberg für die auf fahrbarer Lafette montierte und mit Atomraketen bestückte Pershing benutzt wurde, zeigt, wie der „Kalte Krieg“ in unsere unmittelbare Nähe hineingewirkt hat und wie dankbar wir sein müssen, dass nie eine Nike oder Pershing eingesetzt werden musste. sz

Bönnigheims schwärzester Tag am 7.04.1945

Juni-Stammtisch

Beim gut besuchten Stammtisch des Zabergäuvereins im „Ochsen“ in Güglingen-Frauenzimmern berichtete der kompetente  Heimatforscher Kurt Sartorius aus Bönnigheim vom schwärzesten Tag in der neueren Geschichte der Stadt Bönnigheim am Ende des 2. Weltkriegs. Mit historischen Bildern und einem kurzen Film aus französischen Armeearchiven ergänzte er seinen Bericht, für den schon in früheren Jahren eine Reihe von Zeitzeugen Beiträge geliefert haben.
Als sich am 7. April französische Truppen von Norden her näherten, hätten Bürger Bönnigheims gerne die weiße Flagge gehisst, um die Stadt kampflos zu übergeben, doch der Ortsgruppenleiter verhinderte dies. „Krieg im Vaterland ist Krieg für das Vaterland“, war die Parole. Am Spätnachmittag setzte der Beschuss ein, Häuser  gingen in Flammen auf, darunter war auch das Rathaus. Nicht nur der Beschuss durch die Alliierten, sondern die Granaten der Deutschen richteten bald noch größeren Schaden an. Die furchtbare Bilanz am Ende waren nicht nur viele ortsbildprägende zerstörte Gebäude, sondern es starben 13 Zivilisten und viele Soldaten auf beiden Seiten wenige Wochen vor Kriegsende. Nach den dramatischen Ereignissen hat sich der Ortsgruppenleiter abgesetzt, wurde aber bald darauf gefangen genommen.  sz

Ein Rundgang durch Hohenhaslach

Zu Halbjahresveranstaltung des Zabergäuvereins kamen rund 40 Teilnehmer nach Sachsenheim- Hohenhaslach, um dort einen spannenden Rundgang mit dem versierten Heimatforscher Hermann Albrecht zu erleben. Hohenhaslach ist die größte Weinbaugemeinde der Gesamtstadt mit 240 ha Rebfläche. Schon um 800 wird Haslach (gemeint ist Niederhaslach) in einer Schenkungsurkunde des Klosters Lorsch (Bergstraße) erwähnt. Die „Veste Hohenhaslach“ gehörte später den Grafen von Vaihingen, die ihr auch das Marktrecht – nicht das Stadtrecht - verliehen haben. 1356 kam der Ort zu Württemberg und verlor an Bedeutung, weil er in die Randlage der Grafschaft geriet.
Eine Reihe bedeutender Bauten wie die Kirche St.Georg , ehemaliges und heutiges Pfarrhaus, ehemaliges Rathaus und ehemaliges Rüsthaus, Kelter und Teile der Dorfmauer zeugen von der Bedeutung Hohenhaslachs. Bei einer Kirchenrenovierung wurden wertvolle frühgotische Fresken freigelegt. 1813 musste der Kirchturm nach einem Unwetter abgerissen werden und bekam ein einfaches, niedrigeres Pyramidendach. 2 km entfernt lag das ehemalige Zisterzienserkloster Rechentshofen. Noch gehört die Domäne dem Haus Württemberg, soll aber bald verkauft werden. Die Burg Bromberg bei Ochsenbach wurde bereits 1824 abgebrochen. Ein Gang mit nachhaltigen Eindrücken!  sz     

Maistammtisch über Genealogie und Kleindenkmale

Erwartet hatte man beim Stammtisch des Zabergäuvereins „genealogische Forschung am Beispiel der Familie Heinz“. Doch weil der Referent nicht eintraf, sprang die 2. Vorsitzende Heidrun Lichner spontan in die Bresche und berichtete Spannendes zum Thema Genealogie und die vielen Möglichkeiten, die das Internet für Hobbygenealogen bietet. Auch Warnungen aus den Reihen der Zuhörer vor unseriösen Angeboten wurden laut.
Dann „durchsuchte“ Heidrun Lichner die Festplatte ihres Rechners und zauberte eine Fülle von Aufnahmen über Kleindenkmale hervor. Die Expertin wählte vielfältige Handwerkerzeichen aus, die sich auf Türstürzen, auf Gedenksteinen, in Mauern, auf Ofenplatten und anderswo befinden, teilweise in ursprünglicher Lage, teilweise in Sekundärverwendung. Bauern, Metzger, Bäcker, Huf- und Wagenschmiede, Wagner, Küfer, Maurer, Steinmetze, Zimmerleute, Weber, Tuchmacher u. a. haben mehr oder weniger kunstvolle Zeichen hinterlassen. In lebhafter Diskussion wurden dort, wo keine eindeutige Zuordnung möglich war, Vermutungen geäußert, Erfahrungswerte aus andern Steindenkmälern weitergegeben. Obwohl unvorbereitet hat die Organisatorin der Stammtische mit Bravour die Situation gemeistert. Danke Heidrun Lichner. sz

Bauernkrieg im Zabergäu

April-Stammtisch

Rund 60 Teilnehmer kamen zum Stammtisch des Zabergäuvereins in den „Ochsen“ nach Güglingen-Frauenzimmern, um von dem herausragenden Heimatforscher Dr. Otfried Kies etwas über den „Bauernkrieg im Zabergäu“  zu hören.
1525 zog an Ostern ein  „Bauernhaufe“ zum Schloss Stocksberg. Die Bauern, deren Namen fast alle bekannt sind und vom Referenten genannt wurden, entstammten vorwiegend aus den verschiedenen Zabergäugemeinden, am Ende waren es wohl an die 2000 Mann und einige beherzte Frauen. Sie ernannten Hans Wunder aus Pfaffenhofen zu ihrem Hauptmann und organisierten den  Bauernhaufen gut durch. Die Besatzung des Schlosses Stockheim wurde zur Übergabe aufgefordert. Als die wenigen Verteidiger dem nicht nachkamen, stürmten die Bauern das Schloss. Ihr Hass auf den Deutschritterorden, dem das Schloss gehörte, war besonders groß, denn er presste von seinen  Untertanen große Abgaben heraus, verlangte harte Frondienste, ohne dass es Gegenleistungen gab. Gebäudeteile des Schlosses wurden zerstört, ehe der Bauernhaufe das Kloster Rechentshofen plünderte und weiter Richtung Feuerbach zog. Wenige Monate später schlugen die Herren zurück. Fast alle 2000 Bauern mussten ein Geständnis ablegen, wurden hart bestraft, mussten große Summen bezahlen, die zerstörten Teile des Schlosses wieder aufbauen – sie hatten weniger Rechte als je zuvor.  sz

Römische Straßen im Zabergäu

März-Stammtisch

Zu dem spannenden Thema kamen rund 40 interessierte Zuhörer zum Stammtisch des Zabergäuvereins in den „Ochsen“ nach Güglingen-Frauenzimmern. Der junge Gymnasiallehrer Stephan Bernhardt hatte sich mit diesem Thema bei seiner Semesterarbeit intensiv beschäftigt und den Zuhörern per Power Point viele Informationen geliefert.
Die Römer haben mit ihrem großen Straßennetz, das rechnerisch etwa zweimal um die Erde gereicht hätte, den Straßenbau für den Handel, die Landwirtschaft, die Kommunikation und für das Militär beeinflusst wie keine Macht zuvor, auch wenn die Straßenpflasterung keine römische Erfindung ist. Staatsstraßen, Heerstraßen und Provinzstraßen wurden zentral geplant und vom Staat bezahlt, die Privat- und Dorfstraßen von den jeweiligen Gutsbesitzern. Gebaut wurden die Straßen von Soldaten, Gefangenen und Sklaven. An den Staatsstraßen gab es ca. alle 35 km Raststationen mit Speise- und Gästezimmern, Werkstätten, Ställen, Pferdewechselstationen, oft auch mit Bädern. Wer es sich leisten konnte, ließ sich mit der Sänfte tragen, wählte den Wagen mit einer Achse oder einen Zweispänner mit 4 Rädern. Durch die dichte Besiedlung des Zabergäus gab es dort eine Reihe von römischen Straßen im Tal und auf der Höhe des Strombergs, die der Referent auf eine Kartenskizze übertragen hat. sz

Die Martinskirche und das einstige Kloster in Frauenzimmern

Februar-Stammtisch
Knapp 60 Teilnehmer kamen im „Ochsen“ in Güglingen- Frauenzimmern beim Stammtisch des Zabergäuvereins zusammen, um von Pfarrerin i. R. Herta Lörincz etwas von der Frauenzimmerner Martinskirche und vom ehemaligen Zisterzienserkloster Mariental zu hören.    

Die Martinskirche ist die zweite frühchristliche Kirche im Zabergäu. Um 1238 gründeten Klosterfrauen in „Zimbern“ ein Zisterzienserkloster. Bald darauf stiftete Erkinger von Magenheim dem Kloster die Chorturmkirche. Im Chorraum und nicht im Langhaus versammelten sich die Nonnen zum Gottesdienst. Die Verleihung des Patronatsrechts unterstreicht die Bedeutung des Klosters. Die Nonnen durften ihren Pfarrer selbst wählen und einsetzen. 1543 wurde wohl aus wirtschaftlichen Gründen das Kloster aufgelöst und kam ins Kirbachtal.

Die Kirche wurde zu verschiedenen Zeiten renoviert und erweitert. Romanische und frühgotische Elemente finden sich in ursprünglicher Lage oder wurden anderswo eingebaut. Bemerkenswert ist das Epitaph von Enzberger, er gilt als Erbauer des Storchennests in Frauenzimmern am  Anfang des 17. Jahrhunderts. Auch wurde bei Umbauarbeiten eine Steintafel von 1584 entdeckt über die Taufe eines Knaben, als dessen Gevatter Enzberger erwähnt ist. Die Stammtischbesucher erlebten so ein spannendes Kapitel Heimatgeschichte.  sz

Spurensuche nach dem Adelsgeschlecht der Sternenfelser

Rund 100 Besucher konnte Ulrich Peter, 1.Vorsitzender des Vereins, bei der Geburtstags- und Nachweihnachtsfeier des Zabergäuvereins im Güglinger Rathaus begrüßen. Dort stellte die 2. Vorsitzende, Heidrun Lichner, das „Geschlecht der Herren von Sternenfels“ in einer eindrucksvollen Power-Point-Präsentation vor. Geadelt wurde sozusagen die Veranstaltung durch die Anwesenheit von Freiherr Pablo von Sternenfels, einem herausragenden Balletttänzer der  Stuttgarter Staatsoper. Er stammt aus Mexiko, dorthin ist ein Teil der weitverzweigten Familie derer von Sternenfels ausgewandert.

1232 taucht ein „Cunradus de Sterrenfils“ erstmals in einer Urkunde auf. Zur Herrschaft mit dem Stammsitz auf der Burg Sternenfels gehörten die Orte Zaberfeld, Michelbach, Leonbronn und Ochsenburg. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte haben durch Heirat, durch Kauf und Verkauf, durch Lehensübertragung, durch Teilung der Güter sich Besitzverhältnisse wiederholt verändert. Güter in Unterriexingen, Menzingen,  Anteile von Kürnbach und Lehrensteinsfeld und viele andere kamen hinzu, wurden weitergegeben, wurden entzogen, teils friedlich, teils nach langem Streit. In seinen umfangreichen Tagebüchern beschreibt Johann Walter von Sternenfels, der von 1589- 1643 gelebt hat, ausführlich seine Familiengeschichte, die durch den frühen Tod von zwei seiner drei Ehefrauen geprägt war. Die furchtbaren Ereignisse des 30- jährigen Krieges trafen nicht nur die Bevölkerung, auch der herrschaftlichen Familie blieben große Not und Exil nicht erspart. 1779 wurde die Burg Sternenfels nach „ständig stürzenden Steinen“ abgetragen. Wappensteine, Gedenksteine und Epitaphe fanden oft an anderer Stelle Verwendung und sind bis heute wichtige steinerne  Zeugen der einstigen Herrschaft.  1866 baute man an der Burgstelle einen Aussichtsturm, 100 Jahre später wurde dieser durch einen Wasserturm ersetzt.

Beruflich finden wir die Herren von Sternenfels häufig als hohe Offiziere in württembergischen Diensten. Doch Urkunden verzeichnen auch einen Kammerjunker, einen königlichen Forstmeister, einen Statthalter in Mömpelgard, einen Oberstallmeister. Die Nachfahren des Karl Alexander von Sternenfels wanderten nach Mexiko aus und – hier schließt sich der Kreis-  Freiherr Pablo von Sternenfels wird nach bedeutenden Stationen, u.a. nach dem 2- jährigen Besuch der Akademieklasse an der John Cranko Schule, als Tänzer im Stuttgarter Staatsballett engagiert.  In deutscher Sprache bedankte er sich für die Einladung und für die tiefer gehende Erforschung seiner Familiengeschichte. Auch die Besucher der Feierstunde waren beeindruckt von der fundierten Recherche von Heidrun Lichner und zollten großen Beifall.  sz

 

Ulrich Peter, Pablo Freiherr von Sternenfels, Heidrun Lichner

Die Jahreshauptversammlung des Zabergäuvereins

Der 1. Vorsitzende Ulrich Peter eröffnete die Versammlung und konnte etwa 30 Mitglieder und Freunde im Sportheim Nordhausen begrüßen, darunter Bürgermeister Schiek von Nordheim. Er stellte zunächst fest, dass ordnungsgemäß und rechtzeitig zur Hauptversammlung eingeladen wurde.

Der Vorsitzende hob hervor, dass erfreulicherweise Frau Helga El-Kothany künftig beim Verein die Pflege der Homepage mit übernehmen wird. Frau Dr. Bettina Klein-Ilbeck wird sich zusammen mit Manfred Göpfrich- Gerweck in der Vereinsbücherei einbringen. Beide Damen wurden vom Vorstand in den Ausschuss berufen.

Schriftführer Horst Seizinger ließ das Vereinsjahr Revue passieren.  Die 225-jährige Jubiläumsveranstaltung 2013 in Erligheim war ein Höhepunkt. Über den verstorbenen Ehrenbürger Dr. Gerhard Aßfahl wurde am 27.12.2013 berichtet. Die Halbjahresveranstaltung im Mai 2014 fand in Bönnigheim statt. Die monatlichen „Stammtische“ sind zu einem festen und wichtigen Bestandteil im Vereinsleben geworden. Am 27.12.2014 wird die 2. Vorsitzende Heidrun Lichner über das Geschlecht der Sternenfelser berichten. Am 09.05.2015 ist die Halbjahresveranstaltung in Hohenhaslach geplant, die Hauptversammlung 2015 findet voraussichtlich in Schwaigern statt. Seizinger bedankte sich bei Inge Wolfinger für die gewissenhafte und fundierte Pflege der Homepage und bei den Mitgliedern des Vorstandes für ein harmonisches Miteinander.

Kassier Otto Papp legte einen übersichtlichen Kassenbericht vor. Auf der Einnahmenseite stehen an erster Stelle die Mitgliedsbeiträge in Höhe von 9.015 €. Auf der Ausgabenseite ist die Erstellung der Hefte in Höhe von 7.289€ größter Posten. Das Anliegen, dass dem Mitglied sein Beitrag als Heft wieder zurückgegeben wird, kann erfüllt werden, solange die Zahl der Mitglieder nicht dramatisch sinkt. Der Verein hat derzeit  323 Mitglieder. 5 Beitritten stehen 9 Austritte gegenüber. Dabei schieden die Mitglieder durch Tod oder aus Altersgründen aus.

Der Kassenprüfbericht der Kassenprüfer Volker Dühring und Ernst-Hermann Schmid  bescheinigte „Die perfekte Kassenführung, Herrn Papp gebührt Dank und Anerkennung  und wir bitten daher um Entlastung.“

Bürgermeister Schiek dankte dem Kassier und der gesamten Vorstandschaft und beantragte die Entlastung. Die Mitglieder erteilten einstimmig die Entlastung. Der Bürgermeister stellte kurz die auf 8000 Einwohner zusteuernde Wachstumsgemeinde  Nordheim mit dem Ortsteil Nordhausen vor.

Eine Satzungsänderung wird notwendig, damit die Gemeinnützigkeit weiterhin gegeben ist.  In die Fassung vom 16.10.2011 wird bei §1 Zweck des Vereins zu Beginn des 2. Abschnitts eingefügt: Zweck des Vereins ist die Förderung der Heimatpflege und der Heimatkunde. Einstimmig wurde diese Änderung von den anwesenden Mitgliedern angenommen.   

Nach dem Tagesordnungspunkt „Anträge und Verschiedenes“ konnte der 1. Vorsitzende die harmonisch verlaufene Versammlung schließen und zum Vortrag über Heinrich Blanc überleiten, den Dr. Kay Weidenmann hielt. Bereits am Vormittag hatte er durch den Waldenserort und das Waldensermuseum geführt, der von den Teilnehmern mit großer Zustimmung aufgenommen wurde. sz

 

Unterhaltsam und informativ: Dr.Kay Weidenmanns Vortrag über die Waldenser

Rückblick

Hier sehen Sie den Bericht, der über eine unserer letzten Veranstaltungen verfasst wurde. Selbstverständlich stehen auch ältere Berichte zur Verfügung. Gehen Sie dazu an das Seitenende und wählen Sie durch Anklicken des Links den Bericht aus. 

Stammtisch 08.01.2014

Feuerzauber aus Cleebronn

Beim Stammtisch des Zabergäuvereins im „Ochsen“ in Güglingen -Frauenzimmern erlebten etwa 40 Teilnehmer ein „Feuerwerk“ besonderer Art. Kurt Sartorius, engagierter Heimatforscher aus Bönnigheim, stellte die erste private Feuerwerkerei Deutschlands vor. 1852 gründete sie der Pyrotechniker Louis Kleinknecht in Cleebronn , später kaufte sie Wilhelm Fischer. 1889 durfte sich der Inhaber von „Pulver-Fischer“ königlicher Hoffeuerwerktechniker nennen. Im 1. Weltkrieg arbeitet die Firma, die etwa 200 Beschäftigte zählte, für die Wehrmacht. 1929 schließlich übernahmen die Deutschen Pyrotechnischen Fabriken unter dem Namen DEPYFAG die Cleebronner Firma. Während des 2.Weltkriegs wurden vorwiegend Leuchtpatronen hergestellt. Nach Kriegsende kehrte man wieder zur ursprünglichen Produktion von Feuerwerkskörpern zurück. Beim internationalen Feuerwerksfest „Feuerzauber siegt über Mittelmeer“ in Cannes 1967 wurde die Firma Weltmeister. Die Überreichung der Siegestrophäe durch die französische Schönheitskönigin an den Firmenchef wurde zum Höhenpunkt der Firmengeschichte. Dynamit Nobel übernahm bald DEPYFAG und schloss im Zuge der Umstrukturierung später das Cleebronner Werk. Im Ort gibt es längst eine andere bedeutende Feuerwerkerei.

 

 

 

Steinernes Kreuz von Michelbach

Anläßlich der Halbjahresveranstaltung  am 22.06.2013 konnte der Zabergäuverein und die Gemeinde Zaberfeld dank großzügiger finanzieller Unterstützung durch die Stiftung der Volksbank Brackenheim-Güglingen e.G. das frisch restaurierte Gedenkkreuz in Zaberfeld- Michelbach wieder aufstellen.

Bürgermeister Thomas Csaszar (Zaberfeld), Karl-Heinz Hack (Volksbank Brackenheim-Güglingen e.G.), Uli Peter (1. Vorsitzender Zabergäuverein) und Steinmetz Jürgen Wütherich (von links nach rechts) bei der Enthüllung des neu restaurierten Steinkreuzes

Halbjahresveranstaltung 2013 - Impressionen

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