Monatlicher Stammtisch, 03. November 2010, Frauenzimmern, Gasthaus Ochsen

Günther Rathgeb

Karl und Hermann Rieger – zwei Güglinger im 1. Weltkrieg

Besonders betroffen waren die rund 30 Besucher des Stammtisches des Zabergäuvereins im „Ochsen“ in Güglingen-Frauenzimmern über ein bewegendes Kapitel der jüngeren Geschichte. Günter Rathgeb berichtete über seinen Urgroßvater Karl Rieger und seinen Großonkel Hermann Rieger, die beide im ersten Weltkrieg gefallen sind.

Was haben die beiden wohl auf den unterschiedlichen Kriegsschauplätzen in Frankreich und teilweise in Italien erlebt? Von den Vorfahren hatte der Nachkomme zunächst nur ein Bild in Uniform und  ein Jugendbildnis. Erstaunlicherweise gibt die „Kriegsstammrolle“ Auskunft über die Teilnahme an Kämpfen. Es finden sich in verschiedenen Quellen auch Aufzeichnungen über die Schwere und über Verluste bei Kampfhandlungen. Voller Stolz berichtet ein Kamerad von Karl vom Nahkampf mit Bajonetten, Mann gegen Mann. „Der Tag war ein voller Erfolg“, so endet sein Bericht.  Schon am Ende des Jahres 1914 erhält Karls Frau einen Brief von der Front. Es wird ihr mitgeteilt, dass ihr Mann nach einem Treffer durch einen Granatsplitter gefallen sei, 38 Jahre alt war er geworden.

Ihr ältester Sohn Hermann wird ein gutes Jahr später als 19-Jähriger eingezogen. Nach der Ausbildung in Heilbronn kommt er im April 1917 an die Front. Keine Briefe der Begeisterung finden sich in der Kriegsstammrolle des Regiments mehr. Über die schreckliche Zeit des Stellungskrieges und der gewaltigen Materialschlachten wird nicht mehr berichtet, oder schriftliche Quellen gingen verloren. Ausgerechnet im letzten größeren Gefecht des 1. Weltkriegs, im November 1918, wird Hermann Rieger tödlich verwundet. Unterschiedliche Tage des Todes sind angegeben. Wollte man den Angehörigen verschweigen, dass er mit schwerster Verwundung noch einige Stunden oder Tage gelebt hat?

Besonders tröstlich und erfreulich ist bei aller Härte des Schicksals, das die Familie damals getroffen hat, die heutige Versöhnung über den Gräbern. Am Ehrengrab von Hermann Rieger im Elsass durfte Günter Rathgeb stehen, wurde dort von einer pensionierten Deutschlehrerin betreut. Der Bürgermeister des Ortes hat ihn eingeladen. So wird heute der Tod der Vorfahren zu einer lebendigen Brücke der Verständigung. (sz)

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