Monatlicher Stammtisch, März 2010, Frauenzimmern, Gasthaus Ochsen

Lilla Lehoczki

Lauffen und die Geschichte der Neckarschifffahrt (März 2010)

Beim Märzstammtisch des Zabergäuvereins im „Ochsen“ in Frauenzimmern erlebten fast 40 Mitglieder und Freunde einen lebendigen Einblick in die wechselvolle Geschichte der Lauffener Neckarschifffahrt. In einer Power-Point-Präsentation erläuterte die Lauffener Stadtplanerin Lilla Lehoczki den interessierten Stammtischbesuchern, wie der Neckar schon seit jeher das Leben der Menschen bestimmt hat.

Der Name Lauffen dürfte ein alter Begriff für „Stromschnelle“ sein. Römer, Alemannen und Franken nutzten die Wasserstraße. Von Land aus wurden die Schiffe von Tieren gezogen, getreidelt in der Fachsprache. Das starke Gefälle des Neckars zwischen Cannstatt und Heilbronn wurde für den Bau von Mühlen genützt, andererseits erschwerten oder verhinderten die vielen Wehren den Weg der Schiffe. Als man dafür Lösungen fand, wurde der Hafen der freien Reichsstadt Heilbronn mehr und mehr zum Umschlag- und Stapelplatz für Waren aller Art. Den Heilbronnern brachte es Reichtum, den Württemberger Herzögen war es ein Ärgernis. 1473 ließ Graf Ulrich in Lauffen die erste Brücke bauen, 56 Jahre danach wurde diese zerstört. Doch 1533 schließlich wurde dann die Brücke wieder aufgebaut und ist im Prinzip bis heute geblieben.

Ein Fortschritt für die Schiffahrt war es, als Herzog Eberhard Ludwig in Verhandlungen mit Heilbronn erreichte, den Fluss für württembergische Schiffe zu öffnen. 1713 kam der Befehl zum Ausbau des Neckars. Damals mussten 8 Männer - ein Schiffsführer, Schiffsknechte, Pferdeführer und die Männer im „Zughäuslein“ - das Treideln eines Schiffes bewerkstelligen. Philipp Hans aus Haßmersheim baute inzwischen 22 Meter lange und 2 Meter breite Neckarschiffe. Auf den Schiffen gab es zwei getrennte Räume für Vornehme und weniger Vornehme, dazu feine Frachtgüter wie Ingwer, Zimt, Zucker und Honig. Eine Wende, auch in der Schiffahrt, wurde eingeleitet, als Napoleon die freie Reichsstadt Heilbronn dem neu geschaffenen Königreich Württemberg zuordnete. Damit war die Neckarschiffahrt Sache des Landes. Jetzt wurden Schleusen gebaut, Treidelpfade verbessert und Floßgassen angelegt. Auch die Flößerei hatte mit beginnender Industrialisierung und dem großen Bedarf an Holz einen Aufschwung erlebt. Eine Besonderheit zwischen Lauffen und Heilbronn war ein Schleppkahn, der Neckaresel, der über eine schwere Eisenkette, die auf dem Flussgrund lag, gezogen wurde. Zwei Stunden dauerte die Fahrt von Lauffen nach Heilbronn. Im 1 .Weltkrieg hat man die Kette herausgeholt. um das Eisen einzuschmelzen. 1847 erlebte die Neckarschififahrt ihren Höhepunkt, doch schon 1 Jahr später sollte die Schiffsfracht stark zurückgehen, denn die Bahnlinie Stuttgart-Heilbronn wurde fertig gestellt. 1879 wurde die Schifffahrt Heilbronn-Bad Cannstatt schließlich ganz eingestellt.

Mit späterer Kanalisierung, mit dem Bau weiterer Staustufen (heute sind es 27), mit dem Ausbau zu einem strömungsfreien Schifffahrtsweg in den 50er Jahren und dem für 2010 vorgesehenen Ausbau für 135 Meter lange europäische Schiffe bekommt die Neckarschifffahrt schließlich wieder große Bedeutung. Viel Beifall bekam die junge Stadtplanerin Lilla Lehoczki für ihre fundierten Ausführungen. Einen kleinen Abriss über das Flößen auf dem Neckar und seinen Nebenflüssen über Jahrhunderte gab Otfried Kies im Anschluss an den Vortrag. Die harte und gefährliche Arbeit der Flößer, die technischen ausgeklügelten Details, die rechtlichen Festlegungen und schließlich die gesellschaftliche Stellung der Flößerfamilien wurden angesprochen und rundeten das Bild vom spannenden und oft harten Leben all derer ab, die mit der Flößerei zu tun hatten - und es waren nicht wenige! Auch Otfried Kies erhielt den verdienten Beifall der Stammtischbesucher. (sz)

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