Monatlicher Stammtisch, Januar 2010, Frauenzimmern, Gasthaus Ochsen

Dr. Stefan Bosch

Rabenvögel - ganz besondere Singvögel (Januar 2010)

Beim Stammtisch des Zabergäuvereins im „Ochsen“ in Frauenzimmern erfuhren über 40 Mitglieder und Freunde, dass Rabenvögel, die zu den Singvögeln gehören, wohl den „gescheitesten“ Tieren zuzurechnen sind. Der Referent des Abends, der Mediziner und Hobbyornithologe Dr. Stefan Bosch aus Sternenfels, fesselte mit seinem Vortrag über „Rabenvögel im Zabergäu“ sowohl Laien als auch Fachleute und regte zu lebhafter Diskussion an.

Bosch stellte zunächst die unterschiedlichen Rabenvögel vor und beschränkte sich bei der näheren Betrachtung auf hier lebende Arten. Bei uns gibt es als Brutvögel die Rabenkrähe, die Elster, den Eichelhäher, seltener die Turmdohle. Andere Dohlen und Saatkrähen sind nur Wintergäste. Der Kolkrabe, ehemals heimisch bei uns, ist seit einigen Jahren wieder zurückgekehrt. Mehrere Brutpaare wurden im Zabergäu entdeckt.

Blickt man zurück, so verbinden Rabenvögel und Menschen eine lange gemeinsame Kulturgeschichte in Hass und Liebe. Dem Jäger und Sammler half der Rabe, das Großwild aufzuspüren; das Fleisch nahm sich der Mensch, das Eingeweide blieb dem Raben. Als Galgenvogel oder Totenvogel fand man den schwarzen Raben an Richtstätten oder auf Schlachtfeldern. Raben und Götter standen oft in Verbindung, Sagen und Märchen erzählen von Raben.

Je nach Sichtweise wurde der Rabe verehrt, gejagt. Erst seit 1976 werden Rabenvögel bei uns teilweise geschützt. Die häufig vorkommende Raben- oder Aaskrähe mit ganz schwarzem Gefieder und schwarzem Schnabel wurde schwerpunktmäßig behandelt. Sie ist von der freien Landschaft mehr in die halboffene Kulturlandschaft in Siedlungsnähe gezogen. Die Halmhöhe des Grases bestimmt beim Allesfresser entscheidend den Lebensraum. Nieder gehaltenes Gras kommt den Krallen und dem Schnabel entgegen, mit dem der Rabe aus dem Boden Würmer, Engerlinge, Schnecken und andere Kleintiere holt. Ein komplexes System regelt etwa die gleich bleibende Dichte der Rabenvögel bei uns. Der „privilegierten“ Gruppe der Brutpaare stehen die revierlosen „Habenichtse“ gegenüber. Durchschnittlich 7 Jahre leben die Vögel der 1. Gruppe und bleiben als Brutpaare in „Einehe“ beieinander. Nur eine Brut, die von beiden Eltern betreut wird, gibt es pro Jahr - „Rabeneltern“ ein Märchen! Erst wenn ein Vogel eines Brutpaares ausfällt, kann ein Rabe aus dem Schwarm der „Habenichtse“ versuchen, in die andere Gruppe einzudringen. Beide Gruppen suchen häufig gemeinsame Schlafplätze auf, oft entfernt von ihrem Revier. Beobachtet wurden Vögel von der Ehmetsklinge bei einem Schlafplatz bei Neckarwestheim. Dort findet Kommunikation über gute Futterplätze statt, ist auch der „Heiratsmarkt“. Ein Beispiel von vielen über die Intelligenz der Rabenvögel sei genannt: Weil die Tiere Walnüsse nicht öffnen können, steigen sie über einer harten Fläche hoch, lassen die Nuss fallen, bis die Schale zerbricht und am Boden ausgepickt werden kann. Beobachtungen lassen sogar vermuten, dass vereinzelt die Stärke der Nussschale die Abwurffiöhe bestimmt.

Besonders diskutiert wurde über die Elster, die häufig in unseren Hausgärten als Nesträuber von kleineren Singvögeln wahrgenommen wird. Mehr noch als die Aaskrähe hat sie ihren Lebensraum dorthin verlagert, wo wir Menschen ein entsprechendes Nahrungsangebot und Brutplätze bieten: Kompost, andere Abfälle in Gärten, Parks, auf Spielplätzen und Schulhöfen. Sie finden zudem hohe Bäume zum Brüten. Natürlich gibt es im gleichen Lebensraum auch kleinere Singvögel, deren Nester die Elster ausräubert. Doch sind Meisen beispielsweise dieser Bedrohung nicht schutzlos ausgeliefert. Gut versteckte Nester, mehrere Bruten im Jahr fördern das Überleben der Art. Auch der Mensch kann mithelfen und nur solche Nistkästen anbieten, die Elstern den Zugang erschweren. Nicht alle Ausfälle sind einseitig den Elstern zuzuschreiben, auch Katzen und Marder suchen beispielsweise Nester in Hausgärten heim. Im Ubrigen ist kein dramatischer Anstieg von Elstern zu verzeichnen. Eine massive Regulation durch den Menschen, so der Naturschützer Bosch, ist nicht erforderlich. Die Rabenvögel sind besser als ihr Image und haben im Gleichgewicht der Natur eine wichtige Funktion. Sie zu verstehen ist wichtiger, als sie zu verfolgen. Sicher haben die Rabenvögel unter den Stammtischbesuchern neue Bewunderer gefunden, so fundiert, engagiert und spannend hat Dr. Stefan Bosch seinen Vortrag gestaltet. (sz)

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