Monatlicher Stammtisch, Dezember 2009, Frauenzimmern, Gasthaus Ochsen

David Hehmann

Die Zabergäubahn - ein spannendes Thema beim Zabergäuverein (Dezember 2009)

Gleich zwei Rekorde gab es beim Dezemberstammtisch des vergangenen Jahres zu vermelden. Um die 60 Teilnehmer, so viel wie nie zuvor, waren gekommen. Gerade mal 16 1/2 Jahre alt ist David Hehmann aus Botenheim, der es als Referent verstand, eine gute Stunde lang seine Zuhörer zu fesseln. - Natürlich hatte auch das Thema „Zabergäubahn“ Freunde und Mitglieder des Vereins besonders angelockt.

Mit Begeisterung und jugendlicher Frische zeigte David in seiner gelungenen Präsentation auf, wie nach langen „Geburtswehen“ vor dem 1. Weltkrieg eine Schmalspurbahn ins Zabergäu gebaut wurde, diese dann nach dem 2.Weltkrieg auf Normalspur umgestellt wurde und schließlich schrittweise ihren Betrieb endgültig eingestellt hat. Viele hoffen auf eine Wiederbelebung der Bahn.

1848 wurde die Bahnstrecke Ludwigsburg - Heilbronn gebaut. Die Genehmigung für die Nebenbahnstrecke von Lauffen nach Güglingen wurde 1869 beantragt, doch über Streckenführung und Geländeerwerb gab es lange Verhandlungen. „Lieber eine Schmalspurbahn als gar keine Bahn“, war dann die Devise. Im März 1896 war der Baubeginn, Ende August fuhr bereits der erste Zug in Güglingen ein. Fünf Jahre später wurde die Strecke bis Leonbronn weitergebaut. 69 Minuten dauerte eine Fahrt von Lauffen aus dorthin bei einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. Sechzig Bahnübergänge waren dabei zu passieren, durchschnittlich 3 pro Bahnkilometer. Wasser und Kohle konnten in Lauffen, Brackenheim, Güglingen und Leonbronn nachgefüllt werden. In Handarbeit wurden die 2,5 Tonnen Kohle pro Tag mit Körben in den Tender der Lok gehoben. Als „GmP-Züge“ zogen die Loks Güter- und Personenwagen gleichzeitig. Dabei wurden die Güterwagen mit Normalspurbreite in Lauffen aufgebockt, damit sie auf Schmalspur passten. Auch dies war schwere und langwierige Handarbeit. Einen Tag brauchten 4-5 Männer, um einen Güterzug aufzubocken. Aber es war allemal weniger Zeit und Arbeit als Kohle-, Schotter- oder Zuckerrübenwagen mit der Schaufel umzuladen. Mehrere Zugpaare fuhren täglich auf der Strecke bis 1941/42 wegen Kohlemangel der Fahrplan auf ein Zugpaar reduziert wurde. Nach dem Krieg wurde der Fahrplan verbessert, doch in Konkurrenz zur Bahn fuhren bald Busse.

Ein furchtbares Unglück in Lauffen 1959 mit 45 Toten und 27 Verletzten, bei dem ein Eilzug mit einem Bus zusammenstieß, brachte ein Umdenken. Die Aktionsgemeinschaft Zabergäu (AGZ) wurde gegründet und setzte zusammen mit den Kommunen schließlich durch, dass die Bahn modernisiert und umgespurt wurde. Auch der Bahn kam dieser Plan entgegen, denn die Wartung der Schmalspurfahrzeuge und das Aufbocken der Güterwagen waren viel zu teuer geworden. Der 9. Mai 1964 wurde zur Abschiedsfahrt für die letzte Schmalspurbahn mit geschmückter Lok „Rosa“. Bereits im September und Oktober 1964 fuhren ein Schienenbus und Güterzüge auf Normalspur bis Güglingen, 1965 bis Leonbronn. Die Fahrzeit konnte jetzt auf 35 Minuten verkürzt werden. Gute Akzeptanz war gegeben. Doch bald ging der Güterverkehr zurück. Auch Reisende zogen es vor, mit dem Bus zu fahren. Der Fahrplan wurde immer stärker ausgedünnt, bis 1986 das Ende für den Schienenbus kam. 1993 wurden schließlich die letzten Zuckerrüben per Bahn abgefahren. Wenige Sonderfahrten gab es noch, bis auch diese eingestellt wurden. Inzwischen darf die Strecke nicht mehr befahren werden, die Bahnhöfe sind verkauft.

In der Diskussion wurde herausgestellt, wie sich die Mitglieder von „Zabergäu pro Bahn e.V“ um Gertrud Schreck, Pfaffenhofen, die Zabergäukommunen und viele andere um die Wiederbelebung der Zabergäubahn bemühen. Noch rangieren die Pläne in der Dringlichkeit relativ weit hinten, aber die Hoffnung auf eine Zukunft mit Bahn bleibt. (sz)

<< zurück