110-jährige Jubiläumsveranstaltung des Zabergäuvereins am Jahresende am 27. Dezember 2009

Rund 50 Besucher erlebten am Jahresende eine eindrucksvolle Power-Point-Präsentation zum Thema „Otto Linck und das Naturerbe der Weinbaulandschaft im Unterland“. Der Referent Dipl. Ing. (FH) Wolf-Dieter Riexinger verstand es, von Lincks Standardwerk „Der Weinberg als Lebensraum“ aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts den Bogen zur heutigen Landschaft zu schlagen. Über vier Jahrzehnte bis zu seinem Tod 1985 war Linck auch Vorsitzender des Zabergäuvereins. So hat es sich geradezu angeboten, dass man diese Persönlichkeit in den Mittelpunkt des 110-jährigen Vereinsjubiläums stellt. Der leidenschaftliche Landschaftspfleger und Naturschützer war im Hauptberuf Forstmann, daneben anerkannter Wissenschaftler, dazu Lyriker, Erzähler und Heimatkundler. Die Wanderausstellung des Schwäbischen Heimatbundes im Güglinger Ratshöfle „Kulturlandschaft des Jahres 2009/10 Stromberg - Heuchelberg - Zabergäu“ war passende Ergänzung der Veranstaltung.

Uli Peter, erster Vorsitzender des Vereins, konnte unter den Gästen die Kreisrätin Hannelore Wörz und den Kreisrat Henning Siegel sowie den stellvertretenden Bürgermeister von Güglingen, Gerhard Wörz, begrüßen und bedankte sich für die gute Unterstützung, die der Verein von Seiten der Stadt Güglingen erfährt. Nicht selbstverständlich ist es, dass für den Vortrag im Sitzungssaal und für die Ausstellung im Ratshöfle das besondere Ambiente des Rathauses genutzt werden kann. Gerhard Wörz dankte in seinem Grußwort seinerseits dem rührigen Verein für viele Aktivitäten.

Horst Seizinger, unter Otto Linck bereits 10 Jahre Schriftführer im Verein, berichtete über persönliche Erlebnisse aus dieser Zeit. „Was ist seit meiner Jugend unverändert geblieben?“ fragte 1987 Linck, als er für 50jährige Mitgliedschaft im Schwäbischen Albverein geehrt wurde. Alle waren auch 22 Jahre danach gespannt. Wie damals der Jubilar holte jetzt Seizinger eine Erbswurst aus einer alten Aktentasche hervor. Noch heute gibt es diese erstmals 1889 kreierte Suppeneinlage zu kaufen.

Wolf-Dieter Riexinger hat Otto Link nicht mehr selbst erlebt, aber er hatte sich gründlich in dessen Werk eingearbeitet. Mit der Kamera hatte er Zeugnisse der ehemaligen Weinbaulandschaft erfasst wie Weinbergmauern aus Muschelkalk oder Sandstein, Steinriegel, steile Staffeln, Unterstände und seltene Pflanzen und Tiere. Manche Schwarz-Weiß-Fotografie von Linck wurde dem Farbfoto von Riexinger gegenüber gestellt, teilweise war vom gleichen Standort aus aufgenommen worden. Die Veränderung der historisch gewachsenen Weinbaulandschaft konnte Linck nicht verhindern, zu groß waren die ökonomischen Zwänge. Aber er hat es verstanden, Refugien zu schaffen für typische Tiere und Pflanzen der „Hackfruchtgesellschaft“. Am Rande der heute weitgehend maschinell bewirtschafteten großen Rebflurbereinigungen gibt es noch geschützte Nischen, wie Riexinger aufzeigen konnte. Sie besonders zu erhalten und zu schützen, ist das Gebot der Stunde. Engagierte Naturschützer sind erfreulicherweise zu Pflegemaßnahmen in Biotopen, zum Ausbessern von Weinbergmauern und Unterständen bereit. Natürlich weiß auch Wolf-Dieter Riexinger, dass die Existenzgrundlage für die Wengerter heute ohne moderne Bewirtschaftung, ohne Einsatz von Maschinen nicht gegeben wäre. Beides in Einklang zu bringen, Naturschutz und Wirtschaftlichkeit ist unser heutiger Auftrag - diese Einsicht war für Otto Linck bereits vor über 50 Jahren Leitmotiv. (sz)

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