Monatlicher Stammtisch, Juni 2006, Frauenzimmern, Gasthaus Ochsen

Michael Wennes

"Vogelwelt im Zabergäu"

Bei einem gut besuchten Stammtisch des Zabergäuvereins konnte Michael Wennes, der Vogelexperte aus Zaberfeld-Leonbronn, mit neueren Beobach­tungen aus der Vogelwelt des Zabergäus aufwarten. Zwar kann er letztlich keine wissenschaftlich exakten Zahlen nennen, weil viel zu viel Bewegung die Vogelwelt prägt und die Beobachtungsmöglichkeiten begrenzt sind, doch fundierte Highlights gibt es reichlich. So brütete nach einjähriger Pause in der Ruine Blankenhorn bei Güglingen-Eibensbach wieder ein Kolkrabenpaar. Die Naturschutzbehörde hat deshalb die Ruine flur Besucher gesperrt. Doch im letzten Jahr scheint sich auch ein Hauptfeind der Kolkrabenbrut eingefunden zu haben, nämlich der Nachtgreifvogel Uhu. Ein Vogelkundler will den typischen Bettelruf eines Jungvogels im Stromberg gehört haben. Auch die Brut der Wanderfalken ist bevorzugte Beute des Uhus.

Fast ausgestorben bei uns ist der Kiebitz. Einmal verschwinden mehr und mehr Feuchtwiesen in den Talauen der Zaber, zum andern legt der Bodenbrüter viel zu offen seine Nester an. Auch nehmen mache Biotope beständig ab. Es gibt zudem immer weniger Stellen, in denen in Ruhe Vögel wie Wachtelkönig und Drosselrohrsänger beobachtet werden können. Doch haben andererseits manche Greifvögel sich recht gut an befahrene Straßen angepasst. Erst wenn ein Auto anhält, stellen sie ihre Jagd am Straßenrand ein und fliegen davon. Mit dem Wiedehopf, einem besonders auffallenden Vogel, beschäftigt sich eine eigene Arbeitsgruppe von Ornithologen. Michael Wennes konnte exemplarisch einige Vogelarten nennen, deren Bestand gefährdet ist — aber auch solche, die wieder bei uns beobachtet werden.

In seinem Ausblick nannte der Vogelkundler den Brutvogelatlas, der für ganz Deutschland bis zum Jahr 2007 erstellt werden soll. Darin erfasst der Beobachtungsraum von Michael Wennes die Fläche der topographischen Karte von Güglingen. Noch werden Vogelkundler oder solche, die es werden möchten, gesucht, die bei der Beobachtung mithelfen. Auch regte Wennes an, vorhandene Naturschutzflächen noch besser zu vernetzen. Sorge bereitet ihm weiter, dass nicht genügend Helfer zur Verfügung stehen, die Flächen abmähen und so verhindern, dass Buschwerk und schließlich Wald stärker fortschreiten.

In der lebhaften Diskussion ging es um Pflegepläne, die immer wieder zwischen Landwirtschaft, Kommunen und Naturschützern abgesprochen werden müssen. Auch die gesetzliche Regelung, dass stillgelegte Flächen in bestimmten Fristen gemuicht werden, wurde kritisiert. Gerade das Mulchen bedeutet das Aus für manche Bodenbrüter und für andere Kleintiere. Schließlich ging es um den Schaden, den Elstern an Gelegen und Jungvögeln anrichten. Die Elstern dürfen, so Wennes, auf Antrag abgeschossen werden. Doch das Bejagen in Wohn­gebieten hat seine engen Grenzen. Zudem lockt mancher Hausbesitzer unbe­wusst mit dem offenen Komposthaufen Elstern geradezu an. Weiter sind Buntspechte, Marder und Katzen Feinde der Vögel und vor allem der Brut.

Der erste Vorsitzende des Zabergäuvereins, Dr. Tilman von der Kall, dankte dem Referenten für seinen spannenden und zur Diskussion anregenden Vortrag und

uberreichte ihm ein Buch über herausragende Persönlichkeiten, die sich um den Naturschutz verdient gemacht haben. Auch ein Porträt von Dr. Otto Linck, dem langjährigen Naturschutzbeauftragten im Zabergäu, ist enthalten. (sz)

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