Monatlicher Stammtisch, April 2007, Frauenzimmern, Gasthaus Ochsen

Michael Wennes

Ameisen

Dass Ameisen alles andere als lästige Krabbeltiere sind, erfuhren 30 interessierte Zuhörer beim Stammtisch. Als profunder Kenner und Hobbyforscher führte Michael Wennes in die spannende Welt dieser ganz unterschiedlich großen Insekten ein. Allein im Zabergäu und im Stromberg sind 50-60 Ameisenarten bekannt. Sie auseinander zu halten und genau zu bestimmen, fällt selbst dem Fachmann schwer. Das Gewicht aller auf der Welt lebenden Ameisen soll das Gewicht aller Menschen dieser Erde überschreiten.

Nun zu konkreten Forschungsergebnissen: Wichtigstes Sinnesorgan der Ameisen sind ihre Fühler. Ohne sie wären die Insekten im und auf dem Boden orientierungslos verloren. Kleinste Temperaturunterschiede, Feuchtigkeitswerte, Stickstoff- und Sauerstoffgehalt der Luft und Duftspuren nehmen sie mit den Fühlern wahr. Auch sind die Fühler neben den Genen Voraussetzung für das Funktionieren des Ameisenstaates. Nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen die nach Art und Zahl unterschiedlichen zwei bis fünf Augen. Das „Vollweibchen“, wie Michael Wennes die Königin im Ameisenstaat lieber nennt, legt nach der Begattung bis zu 100.000 Eier im Jahr. Die Arbeiterinnen versorgen und pflegen sie dazu im Bau. Es gibt Ameisenarten, deren Entwicklung vom Ei bis zum fertigen Insekt 6 - 8 Wochen dauert, bei andern Arten dauert dieser Prozess 2 - 3 Jahre. Ebenso unterschiedlich alt werden Ameisen, kleinere Arten 2 - 3 Jahre, größere 6 - 8 Jahre. Vollweibchen können bis zu 15 Lebensjahre erreichen.

Im Ameisenstaat weiß jedes Insekt, ob es nun Innen- oder Außendienst leisten muss, ob es für den Kampfeinsatz zuständig ist. Die Rolle der Männchen allerdings beschränkt sich auf die Begattung des Weibchens. Vor dem Hochzeitsflug wachsen ihnen dafür Flügel. Damit die Brut ständig die richtige Temperatur hat, werden die Larven je nach Witterung tiefer in die Erde gebracht oder nach oben getragen. Tierische Nahrung, darunter andere Ameisenarten, Pflanzensäfte und der von Läusen ausgesonderte Honigtau stehen auf dem Speisezettel der unterschiedlichen Ameisenarten. Dabei können beispielsweise 22 Ameisen von dem „Melken“ einer einzigen Blattlaus leben. Es gibt aber auch Ameisenarten, deren Mundwerkzeuge so zu Schneidewerkzeugen und Waffen umgestaltet sind, dass sie damit keine Nahrung mehr allein aufnehmen können. Diese „Sklavenjäger“ holen andere Ameisen als „Sklaven“, die ihnen dann die Nahrung reichen.

Der Kampf ums Territorium, die Beziehung der Ameisenarten untereinander, die ganz unterschiedlichen Größen bringen es mit sich, dass 40 % der Ameisenpopulation durch Ameisen selbst gefressen wird. Weitere Feinde sind Vögel wie Spechte, Rebhühner u.a., deren Nahrung vorwiegend oder ausschließlich aus Ameisen besteht. Von Wildschweinen aufgewühlte und zerstörte Ameisenhaufen hat Michael Wennes verschiedentlich letztes Jahr im Stromberg entdeckt. Schließlich ziehen sich Ameisen zurück, wo viel Kunstdünger eingebracht wird. Lästige Ameisen im Haus lassen sich am besten vertreiben, so Wennes, wenn man mit Spülmittel über ihre Wege wischt und sie so verwirrt. Zur Nützlichkeit der Insekten ist festzustellen, dass Ameisen noch stärker den Boden durchlüften und Röhren für die Bewässerung schaffen als Regenwürmer.

Wiederholt wurde während des lebendigen Vortrags nachgefragt. Am Ende bekam Michael Wennes viel Beifall für seinen eindrucksvollen „Ausflug“ in die Welt der Ameisen. (sz)

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