Monatlicher Stammtisch, September 2008, Frauenzimmern, Gasthaus Ochsen

Gisela Fischer

"Rückschau auf die Frauenzimmerner Mühle"

Einen eindrucksvollen Ausflug in die erste Hälfte des 20.Jahrhunderts erlebten über 40 Teilnehmer beim Stammtisch des Zabergäuvereins im „Ochsen“ in Frauenzimmern. Gisela Fischer, Tochter des letzten Müllers Buyer in Frauenzimmern, erzählte von ihrer Jugendzeit in der dortigen Klostermühle und schi!lderte lebendig die Herausforderungen und das Auf und Ab dieses Berufstan­des. 11 Mühlen gab es bis hinein in die 50er Jahre im Zabergäu, eine einzige ist noch übrig geblieben.

Das Wasserrecht wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Am Eichpfahl, der in der Frauenzimmerner Mühle 1713 angebracht wurde, war abzu­lesen, wie viel Wasser der Mühle zustand. Auch war der Wasserstand wichtiges Signal, ob die „Falle“ zu ziehen war oder nicht. Schwere Handarbeit hatten dabei der Müller und seine Helfer zu leisten. Selbst im Winter bei Eis und Schnee mus­ste das oberschlächtige Mühlrad am Laufen gehalten werden. 8 PS leistete eines der 3 Räder, das 1917 in Betrieb ging. Im Mahl-, Schrot- und Gerbgang wurde das Korn von Spelzen befreit und zu Kleie, Gries und Mehl gemahlen. Technische Veränderungen haben immer wieder teure Investitionen in der Mühle notwendig gemacht.

Besonders die beiden Weltkriege haben den Frauenzimmerner Müllersleuten Schweres abverlangt. Der Großvater von Gisela Fischer war im 1. Weltkrieg ein­gezogen, die Großmutter musste mit einer Helferin die Mühle allein betreiben. Während des 2. Weltkrieges musste Tag und Nacht gemahlen werden. Noch schwieriger wurde es, als 1939 die Mühlbauern, die Fuhrdienste für den Müller leisteten, ihre Pferde im Zuge der Mobilmachung abgeben mussten. Die steile Mühlgasse, bei der oft zwei Pferde zusätzlich vorgespannt werden mussten, war jetzt mit Kuhgespannen zu bewältigen. Unmittelbar nach dem Krieg litten viele Menschen große Not. Manche kamen jetzt in die Mühle mit der Bitte um wenig­stens eine Handvoll Mehl.

Doch während anderswo in den 50er Jahren nach und nach der Aufschwung ein­setzte, kam mit den besseren Möglichkeiten der Lagerung des Getreides und des Transports mehr und mehr das Aus für die kleineren Mühlen. Wenige große Mühlen übernahmen die Arbeit der Bannmühlen, Stadtmühlen und Kloster­mühlen. „Das Rad der Zeit und das Rad der Mühle kann man nicht zurück­drehen“, so Gisela Fischer.

Reichen Beifall erntete die agile Müllerstochter für ihren lebendigen Beitrag über erlebte Heimatgeschichte. Ein Buchgeschenk überreichte ihr der 2.Vorsitzende des Vereins Günter Keller als Dank und Anerkennung. (sz)

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