Monatlicher Stammtisch, März 2008, Frauenzimmern, Gasthaus Ochsen

Günter Keller

"Alte Karten vom Zabergäu"

Welche Aussagekraft Karten aus verschiedenen Zeiten und in verschiedener Darstellung haben können, darüber staunten die knapp 30 Stammtischbesucher im Frauenzimmerner „Gasthaus zum Ochsen“. Günter Keller, 2.Vorsitzender des Vereins, zeigte und erläuterte mit Power- Point- Präsentation Karten über eine Zeitspanne von etwa 1700 Jahren. Allerdings hatte die älteste Karte aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. noch nichts mit dem Zabergäu zu tun, sie stellte Handels- und Verkehrswege im römischen Weltreich dar. Im 16.Jahrhundert tauchen erstmals Karten auf, in denen Orte, Straßen, Wälder und Felder im Zabergäu verzeichnet sind. Manche Orts- und Flurnamen gibt es heute noch, andere sind verschwun­den, sind mehr oder weniger im Laufe von Jahrhunderten verändert worden oder haben eine andere Bedeutung bekommen.

1596 wurden im „Schwäbischen Kreis“ Karten Ifor die 20 „Forsten“ angefertigt, darunter eine vom „Strombergforst“. Kurios war, dass der Zeichner als Belohnung eine Anwartschaft auf die Feste Bromberg erhielt — aber erst, wenn der nicht wesentlich ältere Besitzer verstorben sei. Eine holländische Kartenfirma hat im 17. Jahrhundert eine größere Anzahl von Karten angefertigt. Man wollte eine genauere Übersicht über die Größe der Siedlungsflächen, über Ödland und Waldgebiete haben. Schließlich hat der bekannte Ingenieuroffizier Andreas Kieser in seinem Forstlagerbuch Karten über Württemberg abgeliefert, die in ihrer Präzision damals einmalig in Deutschland waren. Obstwiesen, Weinberge, „wüste“ Weinberge, Waldstücke — gekennzeichnet als „Bauern- und Herrenhölzle“- wurden unterschiedlich markiert, teilweise koloriert. Auch die Qualität der Böden wird manchmal erfasst. Wer viele „Burren“ in seiner Markung zählte, hatte das Nachsehen. In einer besonders genauen Karte hat Johann Michael Späth Maulbronn und die Umgebung dargestellt mit klaren Besitzverhältnissen, damit „Streit vermieden werde“.

Lernt man heute in der Schule: „Wenn ich vor einer Karte stehe, ist oben Norden...“, so haben damals die Kartenzeichner ihre eigene Festlegung getroffen. Im 7—jährigen Krieg waren die Preußen Feinde der Württemberger. Von oben kommt der Feind, also entsprach die Ausrichtung der Karte heutiger Dar­stellungsweise. Doch als die Franzosen die Feinde waren, da wird 1761 in der Schmidtschen Karte der Westen nach oben zur Feindseite gelegt. 1818 — 1845 schließlich wird in Württemberg ein umfassendes Kartenwerk, das von der Tübinger Sternwarte aus geht, geschaffen. Hier ist versucht, sämtliche Grundstücke im Lande darzustellen. Im weitesten Sinne ist der Vorläufer des Landesvermessungsamtes zu entdecken.

So haben die Stammtischbesucher eine spannende und kurzweilige Lehrstunde über die vielschichtige Entwicklung der Landkarte und über die unterschied­lichen Zielsetzungen bekommen. Günter Keller erhielt für seine fundierte Darstellung viel Beifall. (sz)

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