Monatlicher Stammtisch, 04. November 2009, Frauenzimmern, Gasthaus Ochsen

Joachim Braun

"Geologie des Zabergäus"

Über 40 Mitglieder und Freunde des Zabergäuvereins erlebten einen eindrucksvollen Stammtisch im „Ochsen“ in Frauenzimmern. Joachim Braun bot den gespannten Zuhörern eine „Kleine geologische Heimatkunde des Zabergäus und seiner angrenzenden Gebiete“.

Über Beobachtungen von Geländeformen, Betrachtungen von Gesteinen und Sedimenten in Aufschlüssen, Stollen und Baugruben gewinnen wir geologisches Wissen. Kommt dazu noch das Studium von endogenen und exogenen Kräften dazu, dann geht unsere Betrachtung in unvorstellbare Zeiträume zurück.

4 Milliarden Jahre alt sind Gesteine, die auf unserer Erde gefunden wurden. Doch der Blick auf die Entstehungsgeschichte und die Gesteinsschichten, die das Zabergäu, den Strom- und Heuchelberg heute prägen, wurde zum Schwerpunktthema des Abends.

Im „Germanischen Becken“ (im Durchmesser ca. 2000 km), dem unser heutiges Baden-Württemberg vor dem Auseinanderdriften der Erdteile in heutiger Form geografisch etwa zuzuordnen ist, herrschte vor über 200 Millionen Jahren in der sogenannten Triaszeit einerseits wüstenhafte Trockenzeit, andererseits üppige Regenzeit. Flüsse transportierten Mengen von Material ins Becken, Meerwasser überflutete zeitweise das Land. Riesige Wassermengen verdunsteten und ließen u.a. Salz zurück. Nacheinander lagerten sich die Buntsandstein-, Muschelkalk-und Keuper-Schichten als Trias-Abfolge ab. Bei uns dauerte die Trias 51 Millionen Jahre. Im Heilbronner Raum entstanden in dieser Zeit auch die mächtigen Steinsalzlager, weil in dem trocken-heißen Klima viel Meerwasser verdunstete, Salz blieb zurück.

Friedrich von Alberti gründete schon im 19. Jahrhundert in Bad Friedrichshall das Bergwerk, um in der Tiefe das Salz abbauen zu können.

Gegen Ende der Trias vor 206 Millionen Jahren endete die festländische Entwicklung in unserem Raum. Der Boden und mit ihm die Schichten sanken ab, das Jurameer bedeckte das Land, bis sich auch dieses vor 145 Millionen Jahren wieder zurückzog und seine Schichten zurückließ. Sie wurden aber in der Folgezeit im Zabergäu, im Strom- und Heuchelberg vollständig abgetragen. Unterschiedlich war dagegen die Abtragung der darunter liegenden Triasschichten. Härtere Gesteinschichten blieben dabei im Gelände als Stufen oder Terrassen bestehen. Eine Dehnung der Erdkruste führte vor 45 Millionen Jahren zum Absinken des Oberrheingrabens, eine Kollision der Afrikanischen und Europäischen Platte zur Auffaltung der Alpen. Zu den Hebungen und Senkungen kamen Erosionskräfte hinzu, verbunden mit gesteinsabhängigen Verwitterungskräften. Wo heute sich Strom- und Heuchelberg erstrecken, gab es vor 40 Millionen Jahren u.a. die Strombergmulde. Die Mulden waren besser vor Erosion geschützt als die umliegenden Erhöhungen. So bildeten sich aus ihnen Berge, die Höhen wurden abgetragen, der Fachmann spricht von der Reliefumkehrung. Erst 15 Millionen Jahre sind es her, dass das Schwäbischfränkische Stufenland in seiner Grobform entstand. Spätere eiszeitliche Ablagerungen wie der Löß, der als feiner Verwitterungsschutt hierher kam, und heute als fruchtbarer Ackerboden genutzt wird. Überhaupt hat die letzte Eiszeit vor 25 000 Jahren nochmals das Landschaftsbild entscheidend verändert.

Beim Blick auf die Erdgeschichte und auf die Erdzeituhr, in der das gesamte Werden der Erde in zwölf Stunden gefasst wird, bleiben für die Menschheitsgeschichte nur Bruchteile von Sekunden.

An die spannende PowerPoint-Präsentation von Joachim Braun, die mit viel Beifall bedacht wurde, schloss sich eine lebhafte Diskussion an. Besondere Steine wurden begutachtet und bewundert, stammten sie doch vorwiegend aus unserem Raum. Aufmerksamer wird mancher Teilnehmer künftig Steinbrüche, geologische Fenster und Baugruben in Augenschein nehmen, um einen Wimpernschlag unserer Erdgeschichte zu erfassen. (sz)

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