Monatlicher Stammtisch, 02. Juni 2010, Frauenzimmern, Gasthaus Ochsen

Wolfgang Kenter

"Eine alte Handwerkstechnik beim Stammtisch des Zabergäuvereins"

Beim Stammtisch des Zabergäuvereins im Gasthaus "Ochsen" in Frauenzimmern befasste man sich im Juni mit alten Handwerkstechniken, mit historischen Kalkputzen. Der Restaurator Wolfgang Kenter, der immer wieder Aufträge bekommt, historischen Gebäuden mit Materialien und Verputztechniken möglichst viel vom ursprünglichen Erscheinungsbild zurückzugeben, sprach über trocken gelöschten Kalkmörtel als wichtigem Baustoff seiner Arbeit. 

Über 7000 Jahre benützt man schon Kalk als Baumaterial. Sand und Kalkbrocken werden bei der Baustelle übereinandergeschichtet und mit einer klar definierten Menge Wasser gelöscht. Zur Aufgabe des Restaurators gehört es zum trockenen Kalk vor allem den richtigen Sand zu finden. Der genormte Flusssand, der bei heutigen Maschinenputzen Verwendung findet, ist in aller Regel ungeeignet für historische Putzrezepturen. Sie herauszufinden, zu mischen und dann in Kellenwurftechnik aufzutragen, ist das Geheimnis des Restaurators Wolfgang Kenter. Aus diesem Grund betraut man ihn mit der Restaurierung von herausragenden historischen Bauwerken. Zum Beispiel die gesamte Außenfassade des Ludwigsburger Schlosses  mit ca. 4900 qm und weitere 900 qm im Innern wurden von ihm und seinem Team in 5 Jahren bewältigt. Weiter arbeitete er im Bruchsaler Schloss, im Dom in Speyer, in Baden-Baden, um nur einige Adressen zu nennen. Am Ende kommt erfreulicherweise ein sehr haltbarer Putz heraus, Stuck wird restauriert, ergänzt oder neu geschaffen nach alten Vorgaben. Schließlich erfolgt die Konservierung, damit eine Decke, eine Wand oder ein ganzes Bauwerk wieder in originaler Schönheit erstrahlen kann. Von langer Haltbarkeit seiner Putze geht der Restaurator aus. Ob die Fugen nach 300 Jahre halten wie in der Klosterkirche Gnadenberg bei Nürnberg oder ob man nach weiteren 2000 Jahren noch trocken gelöschte Kalkputze verwendet wie in Pompeji, bleibt ein Geheimnis. Damit die alte Handwerkskunst nicht verloren geht, gibt Kenter sein Wissen an jüngere Mitarbeiter weiter, außerdem ist er im Internet präsent. Denkmalpfleger schätzen  seine Gutachten und seine Arbeit. (sz)

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