06. Juni - Der Wald im Zabergäu

Junistammtisch über den Wald im Zabergäu „Der Wald im Zabergäu – Rohstofflieferant und Lebensraum für Mensch, Tiere und Pflanzen“, unter diesem Thema bot Forstdirektor Martin Rüter von der Außenstelle Eppingen des Landratsamts Heilbronn den knapp 50 Stammtischbesuchern des Zabergäuvereins eine eindrucksvolle Power Point- Präsentation in der Güglinger Herzogskelter an. Mit einer kleinen Titelkorrektur begann Rüter, denn das Zabergäu ist waldfrei, während Strom- und Heuchelberg, die das Tal einrahmen, mit Wald besetzt sind. Auf den Waldstandorten wechseln ständig die Böden. Buche und Eiche sind die Hauptbaumarten, doch im heutigen Mischwald wachsen auch Kiefer, Fichte, Esche und andere Baumarten. Die Weißtanne ist zur Überraschung des Jahres geworden. Sie kommt wohl gut mit den veränderten klimatischen Bedingungen zurecht. Gab’s früher Kahlschläge, dann gezielte Aufforstung, so setzt man heute auf Naturverjüngung. Überhaupt hat das Waldbild des Staats-, des Kommunal- und des Privatwaldes sich in den letzten Jahrhunderten ständig verändert. War im Mittelalter und im Anfang der Neuzeit der Wald „Stall für das Vieh“, der Niederwald wichtig für die Brennholznutzung, die Eiche wichtig als Bauholz und für den Schiffsbau, so ist der heutige „naturnahe Wald“ wieder zunehmend Rohstoff- und Brennholzlieferant, die Werthölzer bringen bei mehreren Submissionen im Jahr gute Erlöse. Ein Rekordergebnis von 30.000 € erzielte ein 120 Jahre alter (Riegel)-Ahornstamm. Eichen aus dem Stromberg kommen nach Burgund zur Fassherstellung oder nach Venedig, um die dortigen Pfahlgründungen zu sichern. Die Erfassung des Holzes wird heute mit dem Computer vor Ort vom Förster erledigt, und am Ende wird dann das Wertholz in alle Welt online verhandelt. Containerschiffe bringen Holz – auch vom Strom- und Heuchelberg- nach China, Japan, Indien und Vietnam. Der Stromberg-Wald, in dem wir Menschen Erholung finden, in dem Tiere sich Lebensräume zurückerobern und in dem der Schutz der Pflanzen Bedeutung gewinnt, wird als FFH –Gebiet (Flora, Fauna, Habitat) ausgewiesen. Abgestorbene Bäume oder Bäume mit großen Spechthöhlen lässt man als „Habitatbäume“, als Brutstätten für Vögel, Insekten und andere Tiere stehen. Inzwischen sind Kolkrabe und Wildkatze wieder im Stromberg, möglicherweise auch der Uhu. Stark vermehrt haben sich trotz intensiver Bejagung die Wildschweine. Zum Schluss des eindrucksvollen Vortrages wagte Martin Rüter einen Ausblick in die Zukunft. Um 0,7 –1.2 ° C hat in den letzten 25 Jahren die Durchschnittstemperatur im Kreis Heilbronn zugenommen, die Niederschläge dagegen haben im gleichen Zeitraum entscheidend abgenommen. Nach einem Klima-Szenarien der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg (FVA) wird es im Jahr 2050 die Baumart Buche in unserem Raum schon sehr schwer haben. Was positiv stimmt: In den letzten 5 – 7 Jahren nahmen die Symptome des „Waldsterbens“ ab. Ein guter Schluss eines spannenden Vortrages, der mit großem Beifall bedacht wurde. sz